Der Zahnwechsel kann bei Zwergen Schwierigkeiten bereiten

Je kleiner der Dackel, desto eher kann es Schwierigkeiten beim Zahnwechsel geben. Das hängt damit zusammen, dass die Zähne im Verhältnis zu der Gesamtgrösse bei den Zwergen und Kaninchen grösser sind. Demnach sind Zwergenzähne nicht halb so gross wie die von Standards, sondern nur ca. 30% kleiner und schon ist der Platz eng. Das erklärt übrigens auch, weshalb die Beisserchen schneller bei kleinen Hunden verdrecken, der engere Stand verhindert die natürliche Reinigung. 

Wird der Zahnwechsel nicht genauestens und täglich überwacht, kann es leicht zu einem Fehlstand kommen. Diese Überwachung sollte vom Halter unter Kontrolle und mit der Unterstützung vom erfahrenem Züchter oder Zuchtwart stattfinden, keinesfalls sollte man sich auf den Tierarzt verlassen. Einige Tierärzte lesen mit und werden wohl die Nase rümpfen. Sorry ihr lieben, ich kenne mehrere Dackel, die einen Fehlstand haben, obwohl die Tierärzte eine Woche bevor ich selbst das Problem zu Gesicht bekam, versichert hatten, alles wäre perfekt und keinen Handlungsbedarf sahen. 

Folgendes kann passieren, wenn Sie sich blind auf andere verlassen, insbesondere auch Tierärzte!:










Diese 6 Monate junge Zwergin habe ich aus einem Zufall heraus kennen gelernt und habe die Zähne aus einem Bauchgefühl heraus kontrolliert, weil die Hündin mir nicht gesund erschien und viel zu dünn war, laut Aussage der Halterin nicht essen wolle. Da die Halterin sich grosse Sorgen bzgl. des Essverhaltens gemacht hatte, hat sie die Hündin mehrfach von einer Tierärztin kontrollieren lassen. Diese meinte, bei den Zähnen könnte sich noch was auswachsen! Die Hündin hat nicht nur einen grossen Vorbiss, der es unmöglich macht, die Schnauze korrekt zu schliessen, die Caninis sind so extrem gekippt, dass sie nun eine Klammer benötigen wird, um die Katastrophe zu beheben! Die Hündin ist mittlerweile bei einem in Kieferorthopädie spezialisiertem Tierarzt in Behandlung, der schlimme Vorbiss ist allerdings nicht korrigierbar.
Was die Tierärztin auch verschlafen hat: die Hündin hatte einen sehr geröteten After, der mir sofort aufgefallen ist, bei so einem Fall von einem Hund, der nicht essen möchte, sollte vorne und hinten kontrolliert werden. Nachdem ich der Halterin eine sofortige Kotuntersuchung empfohlen habe, stellte sich heraus, dass die arme Maus Giardien hatte und diese sehr wahrscheinlich schon seit der Zuchtstätte, was erklärt, dass sie nie essen wollte! Nach entsprechender Behandlung frisst sie endlich normal und bewegt sich stetig in Richtung normalem Umfang (sie ist ein Zwerg in üblicher Grösse und hatte das Gewicht eines kleinen Kaninchenteckels).

Die eiserne Regel lautet: ist der neue Zahn schon 5 mm draussen und der Milchzahn sitzt immer noch bombenfest, muss letzterer schnellstens gezogen werden.

Wie man das Problem erkennt und rechtzeitig eingreift, zeige ich am Fall von Darwin. Er hatte noch einen Milchzahn (oberer Reisszahn, genannt Canini) bombenfest sitzen und nachdem ich mir persönlich ein Bild davon gemacht habe, riet ich zum sofortigen ziehen des Zahns, eigentlich war es dafür schon reichlich spät. Dieser lies sich nur schwer entfernen und hatte eine massive Wurzel, nicht die typische kleine Milchzahnwurzel. Das passiert öfters und hat bei zu spät entfernten Milchzähnen die Konsequenz, das ein Fehlstand ensteht.


Die Untere Zahnreihe:

Auf seiner linken Seite ist der Eckzahn stärker gekippt, das ist aus richtig so.

Auf seiner rechten Seite (links auf dem Bild) ist die Kippung nicht komplett vollzogen, da muss nachgeholfen werden.








Linksseitig ist der Milchreisszahn von alleine ausgefallen. 

Der obere Reisszahn (Canini)  kippt noch beim wachsen leicht nach hinten. Der untere Eckzahn wächst noch in seine Position , der Platz reicht dann, für ein schönes Scherengebiss.  

Gut zu erkennen ist der schöne Verschluss vorne.







Und jetzt die andere Seite: 

Die rote Stelle zeigt, wo der Milchzahn bombenfest  sass. Der endgültige konnte nicht gerade raus  und ist über die Wurzel des Milchzahns leicht nach vorne gekippt (es reicht eine minimalste Kippung, um Probleme zu verursachen). 

Der untere Eckzahn kann hier nicht mehr in seine normale Position nach aussen wachsen, die Lücke reicht dafür nicht aus.

Wenn hier jetzt nicht sofort gehandelt wird (und ich meine wirklich sofort), braucht der Hund tatsächlich eine Klammer, um das Problem zu beheben, oder es wird ein sogenannter “Canini-Engstand” entstehen, was nichts anderes bedeutet, als dass er sich ein Leben lang in das Zahnfleisch beissen wird und daran haben nur seine Menschen schuld, denn sie haben nicht aufgepasst.

Die Lösung ist, den oberen Eckzahn durch wiederholtes drücken in seine Position zu bringen. Die Hunde finden es nicht mal unangenehm, wenn man sanft ist und sie daran gewöhnt werden. Wichtig ist es, das Timing nicht zu verpassen, der Zahn muss jetzt schnellstens an seinen Platz. Da Darwin einige Tage hier verbringt, werde ich mich darum kümmern. Das bedeutet etliche kleine 5 Minuten Sessions am Tag und das tut übrigens weh, es schmerzt ziemlich am Daumen, wenn man gegen den Beisser drückt. Es gibt unterschiedliche Positionen dafür, wichtig ist, den Zahn nur nach hinten und nicht zur Seite zu bewegen. Die durchgeführte Bewegung ist eine drückende Schwingung im Rhythmus, ding-ding-ding-ding… also drück-drück-drück...


 Es müssen 2 Etappen bewältigt werden: 

der Reisszahn muss ein Stück nach hinten gekippt, anschliessend der untere leicht nach aussen massiert werden, heisst das gleiche drücken wird von innen nach aussen ausgeführt, damit er seinen Platz zwischen den oberen Zähnen findet. Präzises messen mit festen Punkten (hier die Spitze und die linke Seite des Nachbarzahns) und Fotos ermöglichen eine gute Verfolgung.




Tag 5: die Prozedur ist ziemlich schmerzhaft für den Menschen, der seinen Daumen benutzt, um sanft den Zahn nach hinten zu drücken. Dabei muss der Kopf stabil gehalten werden. Die Hunde kämpfen meist am Anfang, mehr aus Prinzip, denn es passiert oft, dass sie dabei einfach einschlafen.







Tag 6, wir sind dem Ziel sehr nahe. Der untere Zahn wurde heute ein wenig nach vorne und nach aussen verschoben, ausserdem wird weiter an dem Caninus gearbeitet, das ist schwieriger, denn die haben massive Wurzeln und die muss man bewegen.






Zum Vergleich: die andere Seite am gleichem Tag. Es lässt sich gut erkennen, wie knapp der Platz ist. Selbst minimale Verschiebungen sorgen für grosse Probleme.






Das erfolgreiche Ende:

So sieht das ganze 4 Wochen später aus, nachdem nur insgesamt 9 Tage lang an dem Zahn gearbeitet wurde. Es wird jetzt noch zwei bis drei Tage lang am Caninus geschoben, damit der untere ein wenig mehr Platz hat, gut ist

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Ein Jahr später: wie man sieht ist alles perfekt, dank dem Frauchen und der ganzen Familie, die sich sehr gut gekümmert haben-