Die Entstehung von Nothaaren wenn der Rauhi geschnitten / geschoren wurde und die Möglichkeit einer Rückverwandlung hin zu korrektem Rauhaar


Greta ist eine Dackeldame aus renommierter Zucht und hatte von Geburt an richtig schönes, rauhes Haar. 

Leider hatten weder das Frauchen noch die Berliner Hundefrisöre Ahnung über die korrekte Haarpflege und es ist das passiert, was immer wieder auf geposteten Bildern stolzer Dackelhalter gesehen wird: Rauhaardackel die geschnitten/geschoren werden entwickeln weiches, farbloses Haar (die sogenannten Nothaare), welches nicht schützt und Locken schlägt. Das Unterfell verschwindet dabei völlig. 

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So entsteht Nothaar:
- das rauhe Haar wächst und bleibt am Ende des Wachstums im Haarkanal stecken, weil es (rauhaartypisch) kleine Häckchen am Haarbalg hat. Auf dieser Grossaufnahme kann man gut die Struktur des gesunden rauhen Haares erkennen. Es ist stark, hier sogar zweifarbig (das ist oft vorzufinden) und der Haarbalg ist verdickt, so dass das Haar nicht so ausfällt wie es bei Menschenhaaren oder auch Stockhaar (Schäferhund, Labrador) bzw. Kurzhaar (Kurzhaardackel) der Fall ist. 

- Am Ende der Wachstumsphase bleiben also die Haare meist stecken, haargesunde Rauhis fangen dann an, sich frenetisch überall zu kratzen, sich an Möbeln, auf Teppichen, Fussabtretern, unter Tischen zu weischrubben. Oft wird auch gesehen, wie sie sich in die Oberschenkel beissen oder in die Pfoten, mit ganz spitz geschürzten Lefzen. Gerne wird dieses Verhalten, was eigentlich nur auf das Jucken der toten Haare die raus müssen als Glutenallergie oder Flohbefall gedeutet und völlig falsch behandelt… Nach einiger Zeit hört der Hund auf sich zu jucken, er gibt auf und lebt mit dem Gefühl.

- Die korrekte Behandlung ist, das tote Haar durch sanftes zupfen zu entfernen, oft ist das nicht bekannt und es wird entweder gar nichts gemacht (noch die weniger schlimme Variante, auch wenn das Haar dadurch leidet) oder schlimmer, es wird geschnitten oder gar geschoren. Besonders schlimm ist, dass den Haltern eingeredet wird, das Trimmen (zupfen) sei eine Quälerei für den Hund. Wer es erlebt hat, weiss, dass dies nicht stimmt. Da wird also bei den ahnungslosen Haltern der Hund geschnitten oder geschoren (ob teilweise wie nur Beine oder ganz) und diese wundern sich über die Verwandlung des Hundes in relativ kurzer Zeit - was am Beispiel von Greta hierunter zu sehen ist. Vorher noch kurz eine Erklärung der durch das schneiden entstehenden Nothaare.

1) Rauhes Haar ist am Ende des Wachstums, bleibt jedoch hängen und verstopft den Haarkanal.

2) Neues Haar wächst in demselben verstopften Haarkanal unter dem alten und möchte schliesslich auch raus an die Luft. Damit das geht, muss es deutlich dünner sein, es verändert sich entsprechend und schlängelt sich an dem altem vorbei. Das ist ein Nothaar.

3) Werden die Haare geschnitten/geschoren statt gezupft, folgt Nothaar auf Nothaar und in jedem Kanal können mehrere tote Haare stecken, die sehr fein sind, blass, gerne wellig oder lockig. Sie dehnen den Haarkanal und unterbinden das Wachstum der Unterwolle, die ja daneben in anderen Haarkanälen wächst. 

4) Wird viel zu spät gehandelt, kann es passieren, dass die Haarfolikel keine rauhen Haare mehr produzieren, sondern nur noch seidiges Haar, welches eher wie das des Yorshire Terriers aussieht. Diese Haare sind meist nicht mal mehr trimmbar und damit nicht mehr zu retten. Siehe dazu das erste Bild auf dieser Seite, der graue Dackel wurde 10 Jahre lang geschoren wurde. 

Es ist durchaus möglich, eine Rettung einzuleiten, wenn nicht jahrelang geschoren/geschnitten wurde. Die kleine Berlinerin Greta ist dafür ein gutes Beispiel und ich danke der Halterin, die mir die Bilder nach und nach zur Verfügung stellt, damit jeder sehen kann, wie Greta’s Haare erst bis zur Unkenntlichkeit durch falsche Behandlung verändert und anschliessend fachgerecht wieder aufgebaut wurden.

Mehr zum Thema: Trimmen, Konsequenzen vom Scheren, Notfelle

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Greta als Welpe bei der Züchterin: sichtbar gutes, gesundes Haar mit satter Farbe, dabei sind es noch Welpenhaare.

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Auch mit ca. 2 Monaten (rechts) entwickelt sich die Haarpracht normal.



Links ist Greta ungefähr 3 Monate alt. Zwischen 3 und 4 Monaten wird die Basis für gutes Haar gelegt, jetzt muss eine erfahrene, sehr ruhige Person anfangen zu trimmen. Gut zu erkennen sind die Pfoten, die schon “reif” sind. Wer jetzt Fehler macht (schneidet/schert) bezahlt es mit grossen Verlusten der Haarqualität - die schlechten Haare and den Läufen sind meist nicht erblich, sondern eine direkte Konsequenz der falschen Behandlung  und sieht dann so aus:

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Es ist die gleiche Hündin nach falscher Haarbehandlung. Oft gehörte Ausrede der Hundefrisören, die nicht trimmen können: das geht nicht, ist zu weich, oder: die ist doch viel zu jung, auch gerne gesagt: das tut ihr doch weh! Dies sind alles Lügen und beruhen nur auf einfachen Tatsachen: sie wissen nicht, was korrektes trimmen ist und haben nicht vor, sich die Arbeit zu machen. Es ist viel einfacher, Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden und dem Hund mittels Schere bzw. Schermaschine das Haar zu zerstören.


Erschreckend nicht wahr? 

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Das Haar verändert sich dramatisch durch die falsche Behandlung, dadurch dass es nicht - wie bei allen rauhaarigen Rassen eigentlich ein Muss ist - fachgerecht gezupft wurde, verliert es an Stärke und Farbe. Es wird blass, weich und schlägt Wellen, bei manchen sogar Locken. 

Sehr gut im Bild links ist zu sehen, wie ein Hundefrisör den Hund verhunzt hat: der Bart wurde geschnitten, ein absolutes no-go, welches das Haar zerstört hat: die Farbe ist heller, die Haare feiner. Auch die Ohren und die Augenbrauen sind betroffen, die Haare am ganzem Körper viel zu hell und zu fein. Der schöne Rauhaardackel verwandelt sich. Hier ist Greta gerade mal ein Jahr! Von der roten Schönheit ist schon nichts mehr zu sehen und das hat nichts mit natürlicher Entwicklung zu tun. Es ist die direkte Konsequenz der falschen Behandlung, ein wenig so, als würden Sie sich die Haare mit Säure waschen und wundern, dass sie davon nicht gut werden.

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Bild links: So sah Greta mit gerade mal 14 Monaten aus!

Das passiert, wenn rauhes Haar völlig gegen seiner Natur behandelt wird.

Die Halter wurden daraufhin immer wieder auf der Strasse gefragt, was das für eine Rasse sei, ob es sich um eine Kreuzung von Dackel und Yorkshire Terrier handeln würde. Greta ist ursprünglich rot (früher Dürrlaub genannt, was meines Erachtens viel sprechender ist). Ein so falsch behandelter saufarbener Dackel wird dann beige-hellgrau bis weiss, braune sehen aus wie alte Wischmops und schwarzrote werden silbergrau.



Nach genauer Kontrolle, fiel auf, dass überhaupt keine Unterwolle mehr vorhanden war, zwischen den Nothaaren waren aber noch vereinzelt normale, farbige rauhe Haare in schwarz und rot zu sehen, ein gutes Zeichen. (Links ist bereits ein Teil des Körpers getrimmt worden, der ganze Hund sah wie sein Bein aus, also lange lockige blonde Haare).

Bei solchen Notfellen hilft nur eine Methode: alles muss runter. Also einmal nackig machen bitte und zwar ohne den Einsatz einer Klinge! Es muss gezupft werden, dabei lassen sich die Nothaare schlechter zupfen als gesundes Rauhaar.












Jetzt wird Ihnen garantiert fast jeder sagen, der Hund kann nur geschoren oder geschnitten werden, das Haar ist zu weich zum trimmen. Das ist eine Lüge, es ist allerdings deutlich einfacher und schneller die Schere zu nehmen, als sich die Arbeit zu machen, das Haar zu retten.

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Nur 3!!! Monate nach dem entfernen der Nothaare, sieht Greta bereits wieder so aus, wobei das noch lange nicht das Endergebnis ist:









Zum Vergleich, der Rücken 3 Monate vorher:















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5 Monate später nach den Entfernung der Nothaare

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Greta’s Haare sehen nun wieder wie Rauhaar aus, sie bekommen Farbe zurück und sind um ein vielfaches dicker.

Auf der Grossaufnahme links ist gut zu erkennen, wie wieder rote und schwarze Haare zahlreich sind, dabei waren sie 5 Monate zuvor fast verschwunden und nur noch einzeln zu finden. Auch können Sie erkennen, dass noch viele feine, helle Haare vorhanden sind: es handelt sich um Nothaare, diese kommen noch länger immer wieder, denn viele davon sind noch im Wachstum. Es dauert, bis das Haar sich erholt, bei manchen ist es stellenweise kaum noch zu retten, aber dran bleiben lohnt sich meist doch.

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Den Unterschied zwischen rauhem Haar und Nothaaren sehen Sie auf dem Bild rechts hierüber. Die feinen, verfilzenden Haare sind Nothaare, die dickeren, längeren sind rauhe Haare.

Viele Trimmer greifen spätestens beim Kopf, heisst Bart, Brauen, Lauscher, Seiten zur Scheren, mit verheerenden Folgen. Zur Erinnerung, dadurch war Greta nicht mehr als Rauhi zu erkennen, sie war am ganzem Körper geschnitten (Bild rechts).

 5 Monate später und nach bereits zweimaliger Entfernung der Haare im gesamtem  Kopfbereich, geht es weiter, unter anderem mit dem Bart, der soll auch gerettet werden.

Dauernd kann man Bilder von geschnittenen Bärten (gerne auch schön in Stufen…) in sozialen Medien sehen. Dabei darf der Bart nie geschnitten werden, denn sonst wird er - wie oben ersichtlich - weich, blass und unschön. 

Durch die Vorbereitung in den letzten Monaten ist schon viel passiert, die Farbe ist deutlich besser geworden (sehr gut zu sehen an den Ohren), die Haarqualität auch. Auf dem Bild links ist zu sehen, wie die eine Barthälfte bereits von vielen Nothaaren befreit wurde, die sind hierunter zu bewundern. Nein, das entfernen von Barthaaren ist nicht schmerzhaft und überhaupt nicht damit zu vergleichen mit der Entfernung von den Barthaaren bei Männern! Es handelt sich um ganz anderes Haar. 

Das Ergebnis ist hierunter zu sehen:

Die Farben entsprechen dem Ergebnis, Greta ist wieder rot und nun wird auch keiner mehr fragen, was das für eine Rasse ist.

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