Fellrettung bei Rauhis

Zwergin Greta 

Greta ist eine Dackeldame aus renommierter Zucht und hatte von Geburt an tolles Haar. 

Leider hatten weder das Frauchen noch die Berliner Hundefrisöre Ahnung über die korrekte Haarpflege und es ist das passiert, was öfters gesehen wird: Rauhaardackel die geschnitten/geschoren werden entwickeln weiches, farbloses Haar (die sogenannten Nothaare), welches nicht schützt und Locken schlägt. Das Unterfell verschwindet dabei völlig. Das Frauchen war so lieb, mir Bilder der Entwicklung zur Verfügung zu stellen, damit andere Halter informiert werden, über die Konsequenzen falscher Haarbehandlung.

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Greta als Welpe noch bei der Züchterin: sichtbar gutes, gesundes Haar mit starker Farbe

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Auch mit ca. 2 Monaten (rechts) ist noch alles normal



Links ist Greta ungefähr 3 Monate alt. Zwischen 3 und 4 Monaten wird die Basis für gutes Haar gelegt, jetzt muss eine erfahrene, sehr ruhige Person anfangen zu trimmen. Gut zu erkennen sind die Pfoten, die schon “reif” sind. Wer jetzt Fehler macht (schneidet/scheert) bezahlt es mit extremen Verlusten der Haarqualität - das ist nämlich nicht erblich, sondern eine direkte Konsequenz der falschen Behandlung  und sieht dann so aus:

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Erschreckend nicht wahr? 

Das Haar verändert sich, dadurch dass es nicht - wie bei allen rauhaarigen Rassen eigentlich ein Muss ist - fachgerecht gezupft wurde, verliert es an Dicke, Farbe. Es wird blass, weich und schlägt Wellen. 

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Sehr gut am Bild links ist zu sehen, wie jemand, den Hund verhunzt hat: der Bart wurde geschnitten, ein absolutes no-go, dass das Haar richtig demoliert hat. Auch die Ohren sind auf einmal deutlich blasser, die Haare am ganzem Körper viel zu hell, viel zu fein. Der schöne Rauhaardackel verwandelt sich. Hier ist Greta gerade mal ein Jahr!

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So sah Greta am Ende aus, mit gerade mal 14 Monaten! Die Halter wurden dauert auf der Strasse gefragt, was das für eine Rasse sei, ob es sich um eine Kreuzung von Dackel und Yorkshire Terrier handele.









Die Halter waren ziemlich verzweifelt, bei so einem Ist-Zustand verständlich. Nach genauer Kontrolle, fiel auf, dass überhaupt keine Unterwolle mehr vorhanden war, zwischen den Nothaaren waren aber noch vereinzelt normale farbige rauhe Haare zu sehen, ein gutes Zeichen. 


Bei solchen Notfellen hilft nur eines: alles runter, was geht. Also einmal nackig machen bitte und zwar ohne den Einsatz einer Klinge!








Das 3-Stufen-Programm:

Stufe 1: der Körper
Stufe 2: der Kopf, inklusive Bart, Brauen...
Stufe 3: die Beine

Das ganze benötigt demnach mindestens 3 Durchgänge. 

Nur 3!!! Monate nach dem Anfang der Behandlung sieht Greta bereits wieder so aus, wobei das noch lange nicht das Endergebnis ist:









Zum Vergleich, der Rücken 3 Monate vorher:














Notfell Klara

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14618809 10208002068109215 1828158333 oKlara ist ein neunjähriger Standardrauhaardackel, der 9 Jahre lang sich selbst überlassen auf einem Hof gelebt hat. Nachdem ihr Herrchen verstarb, wurde sie von einer tollen Familie angenommen und diese hat nach Hilfe für das verwahrloste Fell gesucht. Klara hatte gar keine Unterwolle mehr (diese stirbt ab, wenn Rauhis nicht regelmässig gezupft werden) und bestand hauptsächlich aus massiven Verfilzungen, sie war nur beim abtasten als Dackel erkennbar. 

Bei solchen Fellen wird dann immer behauptet, das einzig mögliche wäre scheren. Das dies nicht stimmt soll hier gezeigt werden, denn durch eine Schur wäre das Haar zwar schnell runter, der Hund würde jedoch miserabel aussehen und das Fell wäre ruiniert. 

Wie sie nach einer Schur ausgeschaut hätte, lässt sich an dem Bild links eines geschorenen Dackels ähnlicher Farbe erkennen. 

Dabei ist selbst so ein Fell zu retten, wenn man den Willen dazu hat. Gerade weil noch nie jemand mit Schere oder Schermaschine an ihr war, wird das Haar wieder schön und sie wird wieder wie ein richtiger kleiner Rauhi ausschauen.

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Klara's Kopf, die Lefzen und Ohren bestehen aus Zentimeter dickem, hartem Filz. Die Behänge sind dadurch 2-3 cm dick und Klara kann sie schon lange nicht mal mehr schütteln.

Hier hilft nur noch das 3-Stufen-Programm:

- Körper
- Kopf
- Beine

Alles muss kontrolliert runter, aber wie, denn der ganze Hund besteht aus Filz und Knoten. Hier hilft nur noch Gelassenheit seitens Hund und Menschen.

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Der Rückenbereich sollte immer zuerst gemacht werden, so gewöhnt sich der Hund an das zuppeln und man kann unterschiedliche Techniken probieren, die Haare in den Griff zu bekommen. Klara hat es sehr genossen. Der Wohlfühleffekt war ihr richtig anzumerken. Sie hat gar keine Unterwolle mehr, anders als bei geschorenen Hunden hat das Fell jedoch nun eine Chance, sich zu erholen, neue Unterwolle zu bilden und dicht zu wachsen.

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Als nächstes geht es nur um den Kopf, wobei Ohren und Schnauze die grossen Baustellen darstellen. Im Prinzip gab es hier 4 grosse Filzpakete: jeweils eins pro Ohr (die deswegen 2-3 cm dick waren und schon lange nicht mehr geschüttelt werden konnten), sowie eins pro Schnauzenseite. Klara hat auch hier wieder anstandslos kooperiert.







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Mit sehr viel Geduld und Ruhe von Seiten der Menschen (Klara hat gemerkt, dass wir ihr gutes wollen und war total gechillt und lieb), ganz ohne Schmerzen und ohne Schermaschine wurde Klara gezupft, um die Natur des des Rauhaars zu respektieren und verwandelte sich vor unseren Augen ...

Sie hat es sehr genossen, man konnte es richtig sehen. Nur zwei Mal (bevor entschlossen wurde, die langen Haarmatten im unterem Bereich der Schnauze auf die Hälfte zu kürzen, heisst von ca. 6 auf 3 cm, vor dem eigentlichen Trimmen) hat sie geschnappt, als die Methode angepasst wurde, blieb sie seelenruhig sitzen. Wohlgemerkt: geschnappt heisst bei Klara nur, dass sie die Finger in die Schnauze genommen hat, sie hat gar nicht zugedrückt, sie wurden lediglich feucht, eine tolle Hundedame, die ihre Message freundlich rübergebracht hat.






Hier ist das erste Ohr geschafft, im Vergleich zum anderen… 





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Die Lauscher sind soweit, eine Schnauzenseite ist fast fertig, der Unterschied zur wilden Seite ist horrend.

Nota: die Augen sind von jemandem freigeschnitten worden, das muss erst wieder hingebogen werden.

Es war schwierig, es hat gedauert und Menschen wie Dackel gefordert, aber das Ergebnis war überwältigend, Klara ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Endlich hat sie wieder ein richtiges Gesicht und kann sofort als Rauhaardackel identifiziert werden. Es ist die Verwandlung vom Biest in die Schöne.

Zum Vergleich kann man sich den Kopf des geschorenen Hundes oben ansehen...




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Die neue Klara hat sich zuhause erst einmal auf ihr Bällchen gestürzt, wohl weil sie vorher die Schnauze vor lauter Verfilzungen nicht schmerzfrei öffnen konnte.

Letzter Teil:  die Rettung der Beinhaare.

Die bestehen ausschliesslich auch Nothaaren, die sich bilden wenn Haare nicht fachgerecht gezupft werden. Hier sind die Haare nie angefasst worden, sie dürften sich noch retten lassen (bei geschnittenen oder geschorenen Haaren ist das letztendlich viel schlimmer, denn nicht immer kann man es wieder rückgängig machen)








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Der Unterschied zwischen der gemachten und ungemachten Seite ist horrend. Auch hier wurde nirgends geschnitten sondern ausschliesslich gezupft.








So sieht Klara nach dem 3-Stufen-Programm aus, sie beweisst dass auch völlig verfilzte Hunde nicht geschoren werden sollten, sondern dass es durchaus möglich ist, das Fell artgerecht zu retten. Nun muss es erst einmal wachsen, neue rauhe Haare werden spriessen, es werden noch ca. ein Jahr lang Nothaare durchkommen, die bereits im Keim in den Haarkanälen stecken. Das Rauhaar wird sich jedoch durchsetzen und die Unterwolle kann jetzt auch wiederkommen. Auch hier sehen Sie sich zum Vergleich den geschorenen Dackel als Vergleich an, das ist Klara erspart geblieben. 

Informationen zum Thema Trimmen und wieso nie geschnitten oder geschoren werden sollte finden sich auf folgenden Seiten:

- Trimmen ist keine Option, sondern gehört zur Pflege des Rauhaars
- Scheren zerstört das rauhe Haar