Trimmen des Dackels (und anderer rauhaarigen Rassen) ist keine Option, sondern eine Pflicht, wieso dies so ist, wird Ihnen hier genau erklärt

Charlotte von den Argoatjägern

Mit Ausnahme von kastrierten Hunden, die als Konsequenz der Kastration oft wieder weiches Welpenhaar entwickeln, welches kaum mehr zu retten ist (lesen Sie dazu unsere Information zur Kastration), wächst Rauhaar je nach Hund unterschiedlich dick. Es kann sehr hart und fast nadelartig oder sehr leicht wellig sein, manche kräuseln sogar, die Endlänge beträgt ca. 2 cm bis 5 cm. Die Haare von Rauhis haben eine erblich festgelegte Wachstumslänge. (Foto links: Charlotte von den Argoatjägern)

Ist das Haar am Ende des Wachstumszyklus' angelangt, fällt es nicht von alleine aus, genau dies ist das spezifische am Rauhaar!
Das Rauhaar wächst nicht weiter wie unsere Menschenhaare und es fällt auch nicht anschliessend von selbst aus, wie z.B. bei bei Kurz- oder Stockhaarrassen (z.B. Kurzhaardackel oder Schäferhund). Rauhaar besitzt an der Wurzel kleine Haken, die es im Haarkanal festhalten, ein wenig wie Anker. Es ist dabei egal, ob der Hund von Natur aus kürzere (2-3 cm) oder längere (4-5 cm) Haare hat, am Ende des Wachstums angelangt, bleiben sie nunmal stecken und das ist das Problem, welches der Mensch buchstäblich in die Hand nehmen muss. 

IMG 4480Auch sehr kurzhaarige Rauhis müssen getrimmt werden, das zeigt perfekt unsere leider von uns gegangene Chiara, die extrem knappes Haar hatte. Rechts ist sie beim trimmen zu sehen, hierunter zeigt das Bild wie es davor aussah: längere weiche und feine Nothaare (eine Erklärung dazu folgt weiter unten), die sich gebildet haben und die Farbe vergrauen. 

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Hunde zeigen an, wenn es Zeit ist, zu trimmen, indem sie sich auf den Rücken werfen und auf Teppichen oder Grass schrubbeln. Dieses Verhalten findet man vermehrt bei ungepflegten Dackeln, was meist zu menschlichem juchzen und Kommentaren wie "ohhhhh, wie süsssss, was für eine Lebensfreunde!” führt. Mir sträuben sich die Nackenhaare bei dem Anblick von in Foren eingestellten Videos mit solchen Inhalten und der Kommentare, wie niedlich das doch sei, denn der “lebensfrohe” Hund juckt sich gequält und fühlt sich alles andere als wohl in seiner Haut!  Ihm geht es wie einem Menschen, der seit Jahren nicht duschen darf. Andere übliche Anzeichen, dass es wieder Zeit zu zuppeln ist: das entlanggehen an Polstermöbeln oder schrubbeln unterm Couchtisch, der wurde ja dafür gebaut, das meinen jedenfalls meine Standarddackel, die mir so anzeigen, dass ich bitte die Haare entfernen soll. Die kleinen schmeissen sich rücklings auf die Fussmatten, wenn ich mir zuviel Zeit lasse, das sieht zwar niedlich aus, aber ich weiss es besser. Sehr oft wird auch eine andere Anzeige des Hundes missdeutet: er beisst sich in die Pfoten, Oberschenkel oder die Seite, weil das tote Haar juckt. Oft wird dieses Verhalten sogar von Tierärzten missdeutet, die nach Ungeziefer oder Glutenallergien (sehr in Mode) suchen, hat aber mit Flöhen oder Unverträglichkeiten meist nichts zu tun. Fakt ist, dass ich dieses Verhalten immer wieder bei ungepflegten rauhaarigen Hunden observieren kann. Die Menschen, die trimmen lassen, berichten genau das gleiche, wird der Hund regelmässig gepflegt, zeigt er schnell an, wenn der Mensch schludert und nicht schnell genug einen Trimmtermin macht. Wenn dieses Grundbedürfnis des armen Hundes allerdings über Jahre einfach ignoriert wird, entweder weil die Halter einfach nicht informiert sind, oder den Dackel in diesem heruntergekommenen Zustand “soooo süss” finden, hört er irgendwann auf, sich zu jucken. Es ist durchaus vergleichbar mit Menschen, die nicht genug trinken: sie sagen irgendwann, sie hätten keinen Durst. Werden sie jedoch dazu gebracht, normale Wassermengen zu sich zu nehmen, entwickeln sie wieder schnell ein normales Durstgefühl.

Werden die Haare nicht durch fachkundiges zupfen entfernt, ist das Ergebnis immer gleich: sie verstopfen den Haarkanal, es kann sich kein normales, gesundes, starkes Haar bilden, denn dieses hätte keinen Platz an dem steckengebliebenen vorbei zu gleiten. Es bildet sich an Stelle des gesunden Haares, ein "Nothaar" (es ist der fachliche Ausdruck), dieses ist deutlich feiner, farbloser und weicher, es rutscht an dem abgestorbenem Haar vorbei. 

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Die erste Konsequenz des Mangels an rassespezifischer Pflege ist eine sichtbar veränderte Farbe
Saufarbene Hunde erscheinen gräulich bis dreckig cremeweiss, sie bekommen helle Flusen an den Beinen, wirken deutlich älter als sie sind, rote Hunde verlieren den Rotton und werden gelblich bis cremefarben.

Der Hund links ist erst 4 Jahre alt und wurde nie getrimmt. Er besteht aus farblosem abgestorbenem Haar, das deutlich rötlicher/brauner sein sollte. Er hat gar keine Unterwolle mehr, wie auf dem Bild hierunter zu sehen.

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An Onkelchen Gismo (rechts mit 6 Monaten) lassen sich gut die Nothaare erkennen: er wurde mehrfach an den Vorderbeinen operiert und geschoren, die weichen hellen Haare sind die Konsequenz, seitdem hat sich zum Glück durch konsequente Pflege viel getan (Bild hierunter).









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Die zweite Konsequenz ist, dass die Unterwolle durch die Masse an totem Haar und Nothaaren regelrecht erstickt
Sie verschwindet sehr schnell gänzlich und wird erst wiederkommen, wenn der Hund korrekt und regelmässig getrimmt wird. Der Mangel an Unterwolle ist ein grosses Problem für den Hund, denn das tote Haar und die Nothaare schützen den Hund nicht vor Kälte, dafür ist alleine die Unterwolle zuständig! Der Hund friert. Die Feuchtigkeit kann zusätzlich deutlich besser an die Haut gelangen, da die Berge toter Haare meist hochkant stehen. (Siehe Bilder)

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Auf dem Bild rechts hierüber ist der nie getrimmte vierjährige Hund zu sehen. Scheitelt man die Haare, ist sofort viel Haut zu sehen, der arme Kerl hat gar kein schützendes Unterfell.

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Bild links: ein ähnlich alter Dackel in der gleichen Grundfarbe, der allerdings alle 3 Monate getrimmt wird (vorne der bereits getrimmte Teil, hinter der Hand der noch nicht getrimmte). Hier ist es schwer, die Haut überhaupt zu sehen. Er hat nicht nur massig Haare, sondern auch Unterwolle.

Wenn der Mensch schludert und aus irgendwelchen Gründen nicht rechtzeitig für korrektes Trimmen sorgt, kann dies schneller Konsequenzen haben, als einem lieb ist. So ist z.B. auf dem Bild rechts unsere Ava zu sehen. Ich habe schlicht und einfach vergessen sie zu trimmen, ein einziges Mal ist ausgefallen (heisst nicht alles 3 Monate, sondern 6 Monate ohne das nötige zuppeln) und schon ist die gesamte Unterwolle verschwunden. Das das so schnell gehen würde, war mich bis dato nicht klar und das passiert mir auch nicht wieder. Zum Glück kommt die Unterwolle wieder, wenn entsprechend gehandelt wird (regelmässiges fachgerechtes trimmen).

Die dritte Konsequenz: Im schlimmsten Fall kann sowas zu Hautkrankheiten wie Ekzeme führen, die sind aus diesem Grund nicht selten. Bei fast allen ungepflegten Dackeln werden erst einmal Schuppen, von wenigen bis sehr vielen festgestellt. Die Haut bezahlt die Rechnung. Ekzemen haben wir schon bei einem Hund gesehen, der geschoren wurde.

Wie soll ein Rauhi denn eigentlich ausschauen?

DSC02921Bild: Bohemian Rhapsody von den Argoatjägern

Da ich sehr haarige Hunde mag und züchte, kann ich verstehen, dass man solche Hunde liebt und die eigenen nicht wie Kurzhaardackel mit Bartstoppeln aussehen sollen. Der DTK gibt in der Zuchtordnung vor, dass Rauhaardackel aus der Entfernung wie Kurzhaarteckel mit Bart ausschauen sollen. Dies macht absolut Sinn bei Hunden, die als Jagdhunde gehalten werden, solche mit mehr Bart und Haaren bleiben hängen und schleppen jeden Dreck mit. Ich züchte nicht für die Jagd sondern für Liebhaber und meine Hunde haben bewusst mehr Haare, weil meine Welpenfamilien das so wünschen und ich auch. Richtig gepflegt müssen alle sein, ob kürzer oder länger, wobei es nicht unbedingt einfacher ist, die kürzeren zu pflegen...

Was sollten Halter tun? 

Sie mögen längeres Rauhaar und sollten nach dem lesen des obigen Textes verstanden haben, dass Trimmen Pflicht ist. Ist das nicht gegensätzlich?

P7190183Nein, ist es nicht, denn wenn man bei der richtigen, sehr erfahrenen Person trimmen lässt (wobei trimmen ausschliesslich ZUPFEN bedeutet, das tote Haar wird per Hand entfernt, ohne Einsatz von elektrischen Geräten, es hat nichts mit Schur bzw schneiden zu tun) und diese weiss, was sie tut, kann man die Hunde immer so trimmen, dass sie nicht unbedingt kurz ausschauen und trotzdem einen gepflegten, gesunden Pelz mit reichlich Unterwolle haben. So behalten sie auch die schöne Grundfarbe und fühlen sich wohl. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Kaninchenteckeldame Ava, für sie haben wir den “Ava-Style” entwickelt (siehe Bild rechts und hierunter).


Ava wird so getrimmt, dass sie immer besonders fluffig ausschaut. Der Grund dafür ist, dass sie sehr schmal ist und kurzgetrimmter (hierüber) ein wenig abgemagert ausschaut. Wir haben mal einen Test gemacht und das 3 monatige Trimmen einmal ausfallen lassen, schon war die ganze Unterwolle verschwunden, die vorher sehr dicht war. Das ist die Auswirkung, wenn man sich nicht korrekt kümmert. 

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Das Unterlassen der nötigen Trimmpflege unterstützt nicht den rauhaarigen Charakter, sondern zeigt nur einen grossen Mangel an Kenntnissen über die Rasse und ihre korrekte Pflege, diese ist so wichtig wie Bewegung und gesunde Ernährung, auch wenn viele Menschen das einfach nicht wahrhaben wollen. Am Beispielsbild links sieht man Ava, bei der wir das Fell mal 6 Monate frei wachsen lassen haben, das sieht nicht  nur ungepflegt aus, sie hat in der Zeit die Unterwolle eingebüsst.



Kann ich meinen Hund selbst trimmen?

Gegenfrage: Schneiden Sie sich selbst die Haare? Wieso nicht? Kann doch jeder… oder ?

Es ist nur in wenigen Fällen von Hunden, die von Natur aus leichter zu trimmen sind,  möglich es selbst zu machen, wobei man dafür ein ziemlich guter Feintechniker sein sollte, der es gewohnt ist, in 3 Dimensionen zu arbeiten. 

Wieso soll ich das nicht selbst können?

Korrektes trimmen dauert gut und gerne 2 Stunden (bei einer sehr geübten Person, die den Hund nicht überfällt, sondern freundlich zu ihm ist), es sind dafür umfangreiche theoretische und praktische Kenntnisse erforderlich, die man durch viel Information und noch mehr Training erarbeitet. Ich habe es als Züchterin selbst lernen müssen und kann behaupten, dass man gut und gerne 100 Dackel zum üben braucht, bevor man es richtig kann, die muss man schon zur Verfügung haben und wer gerade mal einen oder zwei Dackel hat (x 4 mal Trimmen im Jahr), wird nie genug Erfahrung sammeln können. Es durch “abgucken” lernen zu wollen, ist so utopisch, wie zu glauben, dass man sich beim Friseur mal anschauen kann, wie er einen modischen Haarschnitt schneidet, um diesen dann anschliessend an der besten Freundin umzusetzen. Die missratenen Selbstversuche am Hund (gerne auch durch unerfahrene Hundefriseure verursacht) führen zu Löchern im Pelz, Schachbrettmustern in der Farbe und anderen Katastrophen. So mancher hat sich nach solchen Experimenten kaum noch auf die Strasse getraut mit seinem Hund. Trimmen ist eine Sache von Spezialisten, die sich speziell darin haben ausbilden lassen, sich vielleicht sogar auf eine Rasse konzentriert haben, daher finden sich darunter auch Züchter. Seltener findet man gute Trimmer in Hundefriseursalons, die Chance ist deutlich grösser, dort an jemanden zu geraten, der das Wort “trimmen” für scheren oder schneiden hält. Das hat damit zu tun, dass es keine einheitliche Ausbildung gibt. Demnach kann es sehr gute Trimmer in einem Salon geben, oder nur Leute die an einem Wochenendseminar gelernt haben, ein wehrloses Opfer kahl zu scheren, egal welcher Rasse es angehört.

Es gibt doch Sachen, die ich als Hilfe benutzen kann...

Der Hundehalter sollte in jedem Fall folgende Gerätschaften vom rauhaarigem Hund fernhalten:  

  • Scheren: NEIN, der Bart wächst eben NICHT nach, wenn er mit der Schere massakriert wurde und Stufen sowie gerade oder rund  abgeschnittene Bärte (gerne von schlechten Trimmern verursacht) sehen furchtbar aus. Das gleiche gilt für Augenbrauen. Gute Trimmer zupfen sowohl den Bart, als auch die Augenbrauen, denn sie wissen, dass sich sonst hier helle, weiche und farblose Nothaare bilden, der Bart und die Augenbrauen mit der Zeit weich, farblos und unansehnlich werden. 
  • Furminator: diese Geräte werden von ahnungslosen Hundefrisören, Mitarbeitern in Hundeläden und sogar Züchtern (!) immer wieder gerne empfohlen bzw. verkauft. Das Ergebnis der Benutzung eines solchen Gerätes bei Rauhaar ist immer verheerend, das musste ich leider oft genug feststellen, das Haar wird wirklich ekelerregend, man möchte es nicht anfassen (klebrig, schuppig, vergraut, die Finger sind sofort sehr dreckig: ein Furminator-Haar ist klar erkennbar). Es dauert sehr lange, bei Furminator-Hunden wieder schönes, gesundes Fell aufzubauen, es passiert im Prinzip das gleiche wie bei geschoreren Hunden. Die Teile eignen sich dafür hervorragend bei Schäferhunden, Labradoren und Hauskatzen, die haben das richtige Fell dafür. In der Gebrauchsanleitung steht, dass unsere Rauhis nicht damit behandelt werden sollten, nur ist das sehr verschwommen gehalten, so dass alle es nicht sofort klar erkennen und der englische Text ist in sich falsch zu interpretieren, sowieso miserabel übersetzt und verfälscht, im französischem wird dieser Teil sogar völlig übergangen: "The deShedding tool should not be used on non-shedding breeds”. Anders ausgedrückt, das Gerät soll nicht bei Rassen benutzt werden, die Haare nicht verlieren. Soll heissen, bei Rauhaaren nicht anwenden (sie verlieren keine Haare, weil diese hängen bleiben). Auf Deutsch steht sogar: "Der FURminator sollte nicht angewendet werden bei Haustieren ohne Unterwolle bzw. solchen, die keine oder kaum Haare verlieren. “ Ist interessant, denn wer das Teil einsetzt, kann sicher gehen, dass sein Hund bald keine Unterwolle mehr haben wird, da die Haare geschnitten werden, das tote Haar zum Grossteil drin bleibt und die Unterwolle erstickt. Ohne eine besonders böse Zunge zu sein, würde ich dazu tendieren, zu glauben, dass der Text bewusst so gehalten ist: er ist unklar genug, damit er nicht von allen verstanden wird und die Leute kaufen das Gerät, ist jedoch für die Firma eine Absicherung, falls ein Rauhaarbesitzer klagt, das Fell wäre dadurch ruiniert. Dann hat die Firma ein leichtes Spiel zu sagen, es steht doch in der Anleitung, dass es dafür nicht geeignet ist...
  • Trimmmesser: es dauert ziemlich lange, den Umgang mit solchen Hilfsmitteln zu erlernen, denn sie sollen nicht schneiden, der Name ist irreführend. Ungeübte produzieren damit sehr gerne Schachbrett- oder Leopardenmuster im Fell. Werden diese Trimmhilfen falsch angewandt, kann das Haar abgeschnitten werden (gleicher Effekt wie beim scheren oder Furminator), die spitzen Zähne können ausserdem die Haut verletzen, es werden reichlich Löcher im Fell produziert. Dies ist auch der Grund, weshalb ich nicht zeige, wie ich die Teile bei meinen Hunden einsetze (ich bekomme dazu öfter Anfragen) oder mitteile, welche ich benutze. Trimmhilfen gehören in geschulte Hände.
  • Schermaschine: Rassen wie Pudel werden geschoren, rauhaarige Rassen nie. Leider wissen das nicht alle “Hundefrisöre”, die scheren und trimmen für das gleiche halten, weil sie diesen Beruf nach 3 Tagen Seminar ausführen dürfen. Es gibt sehr gute Hundefrisöre, die durchaus ihren Beruf beherrschen, aber sie sind seltener gesät. Wir haben Berichte aus erster Hand bekommen, dass geübte Trimmer einen Hund einfach geschoren haben, weil sie keine Lust hatten oder Schmerzen im Arm. Wäre es so schwer gewesen, den Hund an jemanden anderes zu verweisen? Wird der Hund geschoren, geht das Haar gründlich kaputt, der Hund sieht überhaupt nicht mehr nach Rauhaar aus und die oben genannten Konsequenzen der falschen Pflege stellen sich ein. Ein Züchter hat mal die Erfahrung gemacht, seinen prämierten Hund bei einem Hundefrisör zu lassen, um diesen trimmen zu lassen, der Dackel wurde geschoren! Es hat 18 Monate gedauert, das Fell nach dem Massaker wieder aufzubauen, der Hund war nicht mehr ausstellbar. Er hätte seinen Hund nicht einfach ohne nachzudenken abgeben sollen... Zum Thema geschorene Hunde haben wir eine eigene Seite eingerichtet (Link ganz unten auf dieser Seite).


Wie oft muss getrimmt werden? 

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Dies ist abhängig vom Erbe des Hundes. Der Rhythmus ergibt sich von selbst. Wenn er erst einmal mit Hilfe der trimmenden Person gefunden wurde, sollte man sich daran halten, schon kleinere Abweichungen von 2 Wochen haben durchaus Konsequenzen. Es bringt nichts, einem Trimmer “bitte so kurz wie möglich” zu sagen, wie es immer eine Dame tat, die den Hund abgeladen hat und weggegangen ist, sie hatte null Ahnung, von dem was gemacht wird:  das Haar wird nicht geschnitten, sondern nur das tote durch zupfen entfernt. Unter der toten Haarschicht befindet sich bei regelmässigem Trimmen eine schöne Schicht nachwachsender kräftiger Haare. 


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Wenn man einmal raus hat, dass der Hund beim dreimonatigem Trimmen eine schöne kurze Schicht frischer Haare hat, sollte man sich auch dran halten. Wird das Trimmen auf 2-3 Wochen später verzögert, ist die untere nachwachsende Schicht schon deutlich länger und von “schön kurz” kann nicht mehr die Rede sein). 

Der Hund auf dem Bild oben  ist tatsächlich nach dem trimmen kurz, er wird pünktlich alle 3 Monate getrimmt und nach 3 Monaten sieht er wieder aus wie auf dem Bild rechts. Seine Fellqualität ist fantastisch geworden, er hat zehnmal mehr Haare als der verwahrloste rote weiter oben und der Farbunterschied ist gravierend. In den meisten Fällen ist ein Abstand von 3 Monaten richtig, ich kenne jedoch Dackel, die nach zwei Monaten wieder wie explodierte Eichhörnchen aussehen.

Im Winter trimmen ja oder nein?

Gerade im Winter sollte der Dackel gut getrimmt sein! 

Der Grund ist einfach: die obere Schicht rauher Haare schützt den Hund kaum vor Kälte und Wetter, das ist die Aufgabe der unteren Schicht, die Unterwolle. Stehen dem Dackel die oberen Haare zu berge, sieht es zwar nach viel aus, aber das Wasser und der Wind können optimal eindringen, anstatt auf einer relativ kurzen, glatten rauhen Haarschicht abzuperlen. Ausserdem sorgt der Berg unnützer Haare für das Ersticken der Unterwolle und so sorgt man gleichzeitig für besseres Durchdringen von Wind und Feuchtigkeit und den Abbau der realen Schutzschicht.

Fazit: Wenn einmal der korrekte Rhythmus zum trimmen gefunden wurde, sollte man sich daran halten, wenn es was werden soll, gerade im Winter ist das sehr wichtig für den Schutz des Hundes.

Wann ist es Zeit, mit dem Trimmen anzufangen?

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Ich fange bei meinen Welpen schon im Alter von 2-3 Monaten an, das Welpenfell muss entfernt werden, um gesunden Haarwuchs zu fördern und es trainiert sie für später. Bei Welpen ist es so, dass es schon sein kann, dass ein Monat später wieder weiteres Welpenhaar weggezuppelt werden muss, es wächst ein wenig chaotisch raus. Wenn all das weiche Fell raus ist, kann man direkt mit dem dreimonatigem Rhythmus anfangen.

Eastwood von den Argoatjägern ist gerade sein Babyfell komplett losgeworden. Er ist knapp 6 Monate jung.


Wann ist der Hund zu alt dafür? 

IMG 3168Grundsätzlich ist kein Hund zu alt zum trimmen. Ein guter Trimmer kann sich auf alte Herrschaften und auch auf verletzte oder operierte Hunde einstellen. Es ist nur schwieriger, einen älteren Hund daran zu gewöhnen, wobei meist die Halter den Stress produzieren, weil sie nervös sind. Gehen die Halter weg, beruhigt sich der Hund. Es ist sehr wichtig, dass die Halter gelassen bleiben, vielleicht vorher noch spazieren gehen, trimmen ist nicht schlimm, es ist sogar angenehm für den Hund, wenn dieser Berührungen zulässt.

Auf dem Bild ist Lottchen zu sehen, 15 Jahre alt. Lottchen wurde zum ersten Mal mit 11 Jahren getrimmt, sie hatte gar keine Unterwolle mehr. Lottchen ist mit 16 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen, mit perfektem Fell und vollständiger Unterwolle.

Welche Hunde können nicht getrimmt werden?

Eigentlich nur solche, deren Haare schon durch scheren/schneiden so endgültig zerstört wurden, dass sie gar kein Rauhaar mehr bilden. Sehr selten gibt es Rauhaardackel, die von Geburt an nicht trimmbares Haar haben, in den meisten Fällen, in denen das behauptet wird, handelt es sich dabei um eine Fehleinschätzung (gerne von Menschen, die lieber ruckzuck drüberscheren wollen, so verdienen sie deutlich schneller und einfacher was). 

Allerdings gibt es einen Grund, einen Hund nicht zu trimmen: wenn der bissig ist!
Einem Trimmer wurde ein Hund überlassen, die Halter (aus seinem Dackelklub) sind weggegangen, ohne zu warnen. Es folgte ein regelrechter Kampf, wobei der Zwerg den kürzeren gezogen hat. Der sehr bissige Kampfdackel hat den Trimmer nicht erwischt, weil er ihm die Schnauze gut zugeschnürt hat, Erfahrung ist da sehr hilfreich. Als der perfekt zurechtgeputzte und ziemlich erledigte Dackel abgeholt wurde,  gab es grosse Augen, die Halter wussten sehr gut, dass der völlig unerzogene Hund gefährlich war! Er war schon mehrfach bei Hundefriseuren rausgeflogen, es wird gemunkelt, dass die Halter sich nicht mal entschuldigt haben.  Solche Hunde dürfen meinetwegen schlechtes Fell haben, so ein Risiko sollte keinem Trimmer zugemutet werden. Einen so bissigen Hund müsste man unter Vollnarkose trimmen.

Muss mein Dackel grundsätzlich kurz getrimmt werden?

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Nein, dass geht auch anders (Bilder oben von Ava und hier links). Das erfordert allerdings sehr viel Fingerspitzengefühl und ein guter Trimmer sollte sich beim ersten Termin mit Ihnen unterhalten, damit klar ist, was Sie sich genau wünschen. Soll der Dackel nicht für eine Ausstellung getrimmt werden, kann man ihn durchaus so trimmen, dass er gepflegt ist und trotzdem nicht kurz, es ist allerdings deutlich schwieriger, als einfach alle Haare abzuziehen, daher sollte sich der Halter vorher kundig machen. Manche Trimmer fackeln nicht lange und entfernen einfach das komplette Deckhaar, weil es sehr viel einfacher ist und schneller geht, kommunizieren Sie daher besser, bevor es zu spät ist.

Der Prachtkerl hierüber wurde als Welpe gebissen, mehrfach operiert und anschliessend trug er Verbrennungen durch die Infrarotlampen beim Tierarzt davon. Er hat viele unbehaarte/verbrannte Stellen am Rücken. Er wird nur einmal im Jahr komplett nackig gemacht und ansonsten wird das ganze Jahr immer wieder zu langes Fell entfernt, so dass die Narben verdeckt bleiben und er trotzdem gesund und gepflegt bleibt. Schön zu sehen: der kräftige farbige Bart, der noch nie geschnitten, sondern auch getrimmt wird. Hier sind man sehr gut den Unterschied zu geschnittenen Bärten.

Was ist bei Dackeln mit sehr knapper Behaarung, müssen die auch getrimmt werden?

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Ja, auch wenn sich immer Menschen finden, die das Gegenteil behaupten. Unsere extrem kurzhaarige Chiara musste mindestens 2 Mal im Jahr getrimmt werden, sonst hatte sie mittendrin längere Haare und sah horrend aus (Bilder ganz oben).
Ein gutes Beispiel ist die Hündin auf dem Bild links: es ist kaum zu glauben, wieviel totes Haar aus ihr rausgeholt werden konnte (ein richtiger Berg), ihr Frauchen merkt sofort, dass es Zeit ist, weil vermehrt Haare beim Streicheln rausgehen und im Haus verteilt sind. Bei der Hündin ist es unmöglich, nur ein klitzekleines Bisschen Haut zu Gesicht zu bekommen, soviele Haare hat sie.



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Mein Dackel ist noch nie getrimmt worden, was nun?

Wenn ein Dackel noch nie getrimmt wurde, passiert kein Wunder über Nacht. Erst einmal muss man ihn daran gewöhnen. Solche, die es von Anfang an kennen, schlafen gerne völlig relaxed auf dem Tisch ein. Es gibt sogar solche, die schnarchend alles verschlafen oder sich genüsslich umdrehen lassen wie ein Pfannekuchen, wenn eine Seite fertig ist (siehe rechts). Dackel, die das noch nicht kennen, müssen liebevoll und mit viel Geduld daran gewöhnt werden, es ist nunmal Neuland. 

Es gibt tatsächlich Personen, die völlig ahnungslos sind und Kommentare von der Sorte “wie konntest du ihm das antun?” vom Stapel lassen, weil Sie Ihren Hund haben trimmen lassen. Solche Menschen sind nicht nur völlig unwissend bezüglich der korrekten Pflege eines Rauhis, sie führen wahrscheinlich ein mitleiderregendes etwas spazieren und denken, dass trimmen gleich einer Vergewaltigung ist. Ob sie das gleiche über haareschneiden denken? Es bleibt fraglich, ob sie in der Lage sind, die Wichtigkeit der Pflege überhaupt zu verstehen. Wer möchte, kann versuchen, es ihnen zu erklären .

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Ein guter Trimmer wird beim erstem Mal nicht das ganze lange tote Fell komplett entfernen (bei den meisten nie oder sehr lange nicht getrimmten Hunden ist es der Grossteil der Behaarung), sondern wird die schwierige Aufgabe haben, nur die Hälfte zu zupfen. Das sieht zwar schon besser aus als vorher, aber es ist noch nicht das erwünschte Ergebnis (Bild links, das erste Mal getrimmt im Alter von 4 Jahren). Nun wird gewartet, bis sich unter dem totem Material, neue starke Haare in den nun freien Haarkanälen bilden. Das dauert ca. 6 Wochen bis 3 Monate. Dann wird endlich der Rest toter Haare entfernt und schon sieht die Welt anders aus. Allerdings kann es je nach genetischer Veranlagung schon ein Jahr dauern (dass heisst 4 Mal trimmen), bis sich wieder normal rauhes Fell bildet. Es gibt Dackel, die nach nur 2 Durchgängen wieder dichte Unterwolle und schönes harsches Haar haben. Der Wuchs kann in dieser Zeit durch Beigaben von speziellen Vitaminen gefördert werden. Bei manchen Hunden (oft bei kastrierten), wird das Haar nicht mehr richtig rauh, aber wenigstens bleibt es gepflegt und es passiert nur selten, dass ein Rauhaar aufgrund wirklich schlechten Fells bzw. wegen öfteren scherens nicht trimmbar ist.

Wie finden Sie die richtige Person, die das trimmen liebevoll und fachlich korrekt ausführt?

Meistens ist es das beste, den Züchter zu fragen. Wohnt der allerdings nicht in der Nähe, sollte man  im örtlichem Dackelklub oder bei Besitzern von gepflegten Dackeln nachhaken. 

Wir haben eine Liste in der sich Trimmer eintragen lassen können, bzw. auf der Halter, die gute Trimmer kennen, diese eintragen lassen können. Mit klick auf diesem Text öffnet sich ein kleines Formular, auf Anfrage schicken wir die passenden Anschriften von Leuten in der Nähe per Mail). ACHTUNG: KON TROLLIEREN SIE BITTE, DASS SIE AUF DEM FORMULAR AUCH EINE KORREKTE EMAIL ANSCHRIFT ANGEBEN, des öfteren kommen unsere Mails als nicht zustellbar zurück, weil Tippfehler in der Mail-Adresse sind. Manchmal ist das herauszufinden, weil die Person mit ihrem Namen unterschrieben hat und ein Dreher in der Mail ist, allerdings ist es nicht immer so. 

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Keinesfalls sollten Sie blind zu irgendeinem Hundefrisör gehen und den Hund einfach da lassen, um ihn später abzuholen, das endet nicht selten in einem Drama, nur wenige können korrekt trimmen, wie bereits geschrieben, sie lernen es nicht, es ist eine Sache von Spezialisten. Viele Hundefrisöre wissen gar nicht, das “Trimmen” das Fachwort für “ zupfen” ist, für sie bedeutet es scheren oder schneiden, da brauchen Sie erst gar nicht zu fragen, ob er trimmen kann, es wird von zwei völlig unterschiedlichen Methoden gesprochen. Den fachlich guten Trimmer erkennen Sie u.a. an seinem Verhalten ggü. des Hundes, er sollte liebevoll und ruhig mit dem Hund umgehen, der Hund sollte sich freuen, ihn wiederzusehen. Der Trimmtisch, die Trimmhilfen sollten grundsätzlich nach jedem Hund gereinigt und desinfiziert werden, der Raum sollte sauber sein. Der Trimmer fragt Sie nach Ihren Vorstellungen und möchte diese auch umsetzen. Er versteht es, wenn Sie einen kurzen oder eben einen Hund mit längerem Haar haben möchten. Er wird je nach Haarstruktur vor allem seine Finger, eventuell eine Trimmhilfe benutzen. Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt (z.B. bei feinen untrimmbaren Haaren, die so mancher Rauhaar an einigen Stellen haben kann, vor allem wenn die Haare vorher durch falsche Behandlung beschädigt wurden, oder am After und Pinselchen), wird er die Schere nehmen und sie so benutzen, dass es nicht geschnitten aussieht.

 Ein guter Trimmer weiss, was ein Rolling-Coat ist (Bild hierüber, unten getrimmt, oben noch ungetrimmt) und warum dieser erreicht werden sollte. 

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Dieser Fachausdruck kennzeichnet die Tatsache, dass das abgestorbene Haar genau zum richtigem Zeitpunkt entfernt wird und darunter immer eine schöne, geschlossene Decke kräftiger Haare zum Vorschein kommt. Der Dackel wird nicht komplett bis auf die Unterwolle heruntergetrimmt, Damit das klappt, muss die Regelmässigkeit der Termine eingehalten werden.  

Gute Trimmer werden grundsätzlich nicht am Bart herumschneiden, weil sie wissen, dass es diesen auf Dauer ruiniert. Bild rechts: Cuba von den Argoatjägern ist fast perfekt getrimmt, leider ist dem Trimmer ein Fehler unterlaufen, hier wurde sichtbar der Bart mit der Schere gekürzt, das darf nicht sein, denn so verlieren die Barthaare mit der Zeit an Qualität und Farbe. Auch der Bart muss getrimmt werden, das gilt auch für die Oberseite der Schnauze und die Augenbrauen. 

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Auf dem Bild rechts ist ein perfekt getrimmter Bart zu sehen, hier kann man sicher sein, dass er mit der Zeit nicht seine starke Struktur und schöne rote Farbe verliert. Das schneiden vom Bart ist ein sehr oft gesehener Fehler beim Trimmen, man braucht nur auf Dackelforen zu gehen und kann es immer wieder auf Bildern sehen, auch bei eigentlich gar nicht mal so schlecht getrimmten Dackeln.

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Den Unterschied zwischen einem gepflegtem und ungepflegtem Dackel ist an diesen beiden Bildern gut zu erkennen, es handelt sich hierbei um die gleiche Hündin. Links ungetrimmt, rechts getrimmt, wobei besonders die getrimmten Brauen und der gesamte Kopf samt Bart besonders zu erwähnen sind. Die ganze Schönheit der kleinen Dame und der Gesichtsausdruck sind erst nach dem Trimmen richtig zu erkennen (danke Eva für die Bilder).

Abschliessend:
Der Hund sollte seinen Trimmer mögen, ein gutes Zeichen ist, wenn er ihn bei wiederholten Besuchen abschlabbert und draussen begrüsst werden muss, weil er vor Freude einen Bach macht. 

Ueber die Konsequenzen von Schuren bei Rauhaardackeln haben wir eine eigene Seite erstellt, schauen Sie sich diese an!