Wieviel kostet ein Dackel?

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Wie oft wurde schon Züchtern vorgeworfen, sich eine goldene Nase an den Welpen zu verdienen. "Was??? zig-hunderte euro für einen Dackel, das ist doch Wucher! Den krieg ich doch für ein Drittel auf e-Bay!". Bei einem solchen potentiellen Interessenten  ist der seriöse Züchter glücklich, ihn sofort wieder loszuwerden, denn es ist ihm klar, dass der Hund dort kaum gut versorgt wäre, Hunde verursachen nunmal Kosten und der Anschaffungspreis ist der geringste Teil davon. 

Käufer haben meist überhaupt keine Ahnung, was der Züchter so alles ausgibt, um seine Hunde gross zu ziehen, sie machen sich auch selten Gedanken darüber, warum es keine Mehrwertsteuer auf Hundekäufe gibt. Das Finanzamt ist schlauer, dort wird Hundezucht im kleinen Rahmen als "Liebhaberei" bezeichnet, anders ausgedrückt: es ist ein teures Hobby mit dem kein Geld zu verdienen ist, ganz im Gegenteil. 

Im folgenden wir dargelegt, wie es einem seriösem Hobbyzüchter ergeht, es handelt sich um Fakten aus der Praxis. Hobbyzüchter zu sein, bedeutet, maximal 2 Hündinnen zu halten, die Welpen bekommen können. Erfahrene Züchter sagen, dass erst ab 5 Hündinnen im gebährfähigen Alter (18 Monate bis 8 Jahre) die Möglichkeit besteht, etwas mit Zucht zu verdienen. Das allerdings nur, wenn sich keine « unnütze »  ältere Hunde und alle die keine Welpen bekommen können, das Haus verlassen.


Reden wir mal Klartext

Ein Dackelwelpe kostet je nach Grösse und Haarart von ca. 700 bis 1300 euro und mehr. Pauschal gilt, je kleiner der Hund, desto teurer (ein Standardteckel ist günstiger als ein Zwergteckel). Ausserdem sind seltene Farben teurer.

Bevor der Welpe überhaupt geboren wird, hat der seriöse Dackelzüchter weder Kosten noch Arbeit gescheut, es geht ihm vor allem darum, einen gesunden Wurf grosszuziehen und im Gegensatz zu der landläufigen Meinung, reicht es dazu nicht, den Rüden und die Hündin zusammenzuführen und die Natur erledigt den Rest.

Damit Sie mal einen Einblick in die Welt des Züchters bekommen, finden Sie hiernach eine Aufstellung der allgemeinen regulären Kosten, die entstehen, bevor überhaupt ein einziger Welpe das Licht der Welt erblickt, wobei hier nur für eine Hundedame kalkuliert wurde. Meist gibt es jedoch 2 Stück davon:

  • Hündinnen wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen, um eine gute Zucht zu starten, müssen sie gekauft werden und da meist nur besondere Hundedamen dafür in Frage kommen, kann der Züchter gut und gerne mindestens 1000 euro pro Dackeldame zahlen. Da die Gefahr besteht, dass bei dem Kauf im Welpenalter nicht der erwünschte Körperbau für eine Zuchthündin entsteht, werden sie oftmals ein wenig älter gekauft und der Preis ist dann sehr deutlich höher. Ist die Hündin nicht für die Zucht geeignet, ist das Geld verloren und die Frage steht im Raum, ob das geliebte Mädchen behalten werden kann oder nicht. Alles beginnt nochmals von vorne.
  • Die Hündin kann erst mit 18 Monaten gedeckt werden (das ist die Vorgabe des Deutschen Teckelklubs), in der Zwischenzeit wird sie bei guten Züchtern mit hochwertigem Futter versorgt, wird gepflegt, ausgebildet (Fahrten zum Dackelklub, wobei ab 2015 die Ausbildung Pflicht werden soll - dies würde für mich bedeuten, 4000 km nur dafür in der Ausbildungszeit zu fahren), in Schauen gezeigt (tausende Kilometer) und untersucht. Jährlich sind ausserdem eine Zwingerhaftpflichtversicherung (100 bis 300 euro) und Hundesteuern (ab 200 euro aufwärts für einen Zwinger mit mehreren Dackeln) fällig. Die Ausstattung (ohne Zwinger, Gartenzaun, Autoumbau...) kostet ca. 200 euro pro Hund für Leine, Körbchen, Decken, Transportkiste, Spielzeug, Napf.
  • Futterkosten pro Jahr ca. 400 euro pro Hund.
  • Tierärztliche Versorgung ca. 200 euro, bis 2013 zzgl. obligatorische Augenuntersuchung alle zwei Jahre (ca. 70 euro plus Fahrtkosten, selten sind die Tierärzte, die dafür zugelassen sind um die Ecke, ich muss 160 km fahren), diese ist nun abgeschafft worden, DNA Untersuchung 40 euro mit der Blutentnahme, generelle Impfungen, Entwurmungen usw. ungefähr 250 euro im Jahr (ja, pro Hund!). Wird einer krank, steigen die Kosten natürlich enorm.
  • Pro Jahr sind auch ca. 150 euro Ausbildungskosten für den Züchter fällig, jedenfalls wenn der nicht auf dem Stand von vor-vor-vorgestern bleiben will und sich bilden möchte. Dazu gehören Seminare, Bücher, DVDs.
  • Trimmkosten bei Rauhhaardackeln, für diejenigen, die es nicht selbst machen können, ca. 30-120 euro, 4 Mal im Jahr. 
  • Ob jagdlich geführt oder nicht, die Dackeldame muss ausgebildet werden, dafür sind wöchentliche Fahrten zum Hundeplatz unerlässlich, 100 bis 200 km sind bei den meisten Züchtern eher die Regel, das ist nicht nur zeitaufwendig, es geht bei den steigenden Benzin- und Versicherungspreisen ins Portemonnaie. Dazu kommt die tägliche Arbeit mit dem Hund, ca. 2 Stunden spazieren und ausbilden kommen schnell zusammen. Die Prüfungskosten fangen bei 25 euro an, das ist noch der kleinste Teil.
  • Ausstellungen sind Pflicht, die Hündin muss vom Richter bewertet werden und wer unbedingt viele Preise vorweisen möchte, verbringt seine Wochenenden auf Zuchtschauen. Das geht richtig ins Geld: 30-60 euro pro ausgestelltem Hund, Fahrtkosten (nicht selten fahren Züchter 900 km zu einer grossen Ausstellung), eventuelle Hotelkosten, wenn nicht gleich das Wohnmobil dafür angeschafft werden musste und Verpflegung. Wenn sie Pech haben, gefällt dem Richter der Hund nicht, weil er einen anderen Typ bevorzugt und die Wertung entspricht nicht den Erwartungen, hunderte Euro wurden in den Sand gesetzt.
  • Endlich ist es soweit, die Hündin kann gedeckt werden. Monatelang hat der Züchter nach dem passenden Rüden gesucht, Zuchtbücher gewälzt, Pech nur, dass der Bursche am anderen Ende des Landes wohnt. Also Urlaub nehmen, wieder mal ein Paar tausend Kilometer fahren (so bin ich von Januar-Mai 2015 nur wegen der Hunde 3000 km gefahren), 2-3 Hotelübernachtungen und Verpflegung wenn zweimal gedeckt werden soll (ca. 350 euro), ansonsten vorher Hormontest beim Tierarzt, um den optimalen Zeitpunkt zu bestimmen (plus Scheidenabstrich und Tupfertest, ca. 25 euro) vor allem, wenn Sie fliegen müssen, eventuell Herpesimpfung 60 euro. Dazu kommt noch die Decktaxe für den Rüdenbesitzer, ca. 260 euro (in Deutschland, ist der Rüde im Ausland können es auch schnell 900 euro sein). Papierkram erledigen, der Deckschein muss beim Dackelclub eingereicht werden.
  • Dann kommt das beten, dass die Hündin tragend ist, denn wie mir bereits passiert, kann sie auch leer bleiben, alle oben genannten Kosten sind dann sozusagen für die Katz gewesen. 

    Hurra, die Hündin ist tragend!
    Ultraschall zur Kontrolle
    45 euro, Wurmkuren für die Hündin und die anderen Hunde (40 euro).
  • Bei startenden Züchter kommen jetzt Kosten für die Wurfkiste (250 euro), Wärmematte (40-80 euro) dazu, ausserdem muss ein Welpenauslauf eingerichtet werden (unser kam auf 700 euro und das bei Eigenbau).
  • Wenn die Geburt gut verläuft, sind die Tierarztkosten noch entsprechend gering, ca. 120 euro für die Nachkontrolle. Bei einem Kaiserschnitt vervielfachen sich diese jedoch und falls dies der zweite Kaiserschnitt war, ist die Hündin nicht mehr in der Zucht einzusetzen, das war's (bei einer mir bekannten Züchterin passiert, die 2 ersten Würfe per Kaiserschnitt, insgesamt 3 Welpen, die Hündin ist 4 Jahre alt, Verdienst null, Ausgaben gehen in die Tausende, aus Kostengründen Ende der Zucht).
  • Spezifische Nahrung und Ergänzungen für Mutter und Wurf, ca. 400 euro.
  • Wurmkuren, Impfen und Chippen der Welpen, ca. 100 euro pro Welpe. Ausserdem nocht Gesundheitskontrolle beim Tierarzt, ca. 250 euro.
  • Permanentes Wechseln der Unterlagen, ca. 1-2 Waschladungen pro Tag, ganztägiges hinterherwischen, Berge von Papiertüchern, Eimer von Wischwasser und Reiniger, Stromkosten für Waschen, Heizung, Wasserkosten. 
  • Bei Frischfleischernährung muss eine Tiefkühltruhe angeschafft werden (mindestens 500 euro).
  • Welpen nagen an Möbeln und benötigen rund um die Uhr Bewachung, Beschäftigung, Sozialisierung, sie müssen Autofahren kennenlernen, spazieren gehen, sie zerstören Spielzeug, welches nachgekauft werden muss. Muss der Züchter ganztägig weg und lebt er alleine, muss ein Hundesitter für den Tag bezahlt werden, denn bei kleinen Welpen muss die Mutter mehrmals täglich gefüttert und rausgelassen werden, anschliessend die grösseren Welpen. 
  • Gleichzeitig muss der Züchter Anfragen von Interessenten beantworten, eventuell zurückrufen, potentielle Käufer empfangen und gleichzeitig noch den normalen Tagesablauf bewältigen. Die Anzeigen in der Zeitung sind nicht kostenfrei, bei Käufern, die zusagen, um sich danach nie mehr zu melden muss mehrfach inseriert werden. Welpentouristen, die nur Welpen gucken möchten, weil die Kinder das toller finden als den Zoo, stehlen Züchtern die schon kaum vorhandene Zeit.
  • Bevor der Welpe umzieht, kommen noch einige Kosten für den Gesundheitspass dazu, sowie die Ahnentafel (nein, das bekommen wir nicht geschenkt).
  • Was hier nicht aufgeführt ist, die Hunde benötigen ein entsprechendes Umfeld, heisst einen dackelsicheren Garten (fester Zaun!), ausserdem aussen Spielmöglichkeiten, einen grossen Zwinger (bei meinem 70 qm Hundespielplatz wurden Tonnen von Erde bewegt, Hütten mussten her, Gummimattenbelag, Zaun, insgesamt mit dem Gartenzaun und der restlichen Ausstattung nur für das sichere Aussengelände kamen gut und gerne 3500 euro zusammen). Für den Transport im Auto müssen entsprechende Transportkisten her, ca. 300 euro da es mit einer nicht getan ist. Es kann sein, dass ein neues Auto her muss, weil das vorhandene zu klein oder zu alt ist, für die Fahrten zu Ausstellungen und Rüden. Die nicht mehr in der Zucht eingesetzten Hündinnen werden von ihren liebenden Züchtern behalten (nicht wenige verkaufen sie dann), da werden die Oldies ab 8 Jahre bzw. früher falls sie nicht mehr gedeckt werden können, mit durchgefüttert, gehegt und gepflegt. Sie sind dann ein reiner Kostenfaktor.


Diese Liste ist alles andere als komplett und ausführlich, sie soll einen kleinen Einblick in die Kosten, die ein Züchter hat, gewähren. Nicht aufgeführt sind die unzähligen Stunden, die er investiert, tausende Kilometer, Liter von Kaffee, Tee und Wasser, Tränen vor Freude oder Traurigkeit.

Letztendlich ist eine kleine Zucht ein wirklich sehr teures Hobby, es wird deutlich mehr Geld draufgelegt als eingenommen. Daher können Sie davon ausgehen, dass Welpen zu Ramschpreisen (Geiz ist geil!) nicht aus einer seriösen Zucht stammen, das ist schon rein rechnerisch unmöglich. Bei 400 euro für einen Welpen zahlen Sie
 meistens später ein vielfaches drauf, in Tierarztkosten, wenn der Welpe nicht sogar innerhalb kurzer Zeit verstirbt. Diese Erfahrung hat auch eine Dame gemacht, der meine Welpen zu teuer waren, sie hat darauf hin einen als Schnäppchen für 400 euro gekauft, er hat eine Woche lang sehr hohe Tierartzkosten verursacht (Dauerdurchfall, Milben, Flöhe…). Nach einer Woche gab sie den Welpen dem «  Züchter » zurück. Schaden gleich 100%, Welpe weg, Anschaffungskosten weg, Tierarztkosten weg. Ich hoffe nur, sie hat daraus gelernt. Auch ein Kauf im Zoogeschäft ist unverantwortlich, denn die Welpen benötigen Unmengen menschlicher Zuwendung, sie müssen die Eindrücke der realen Welt aufsaugen können und dazu gehört kein Glasskasten, der sie von Geräuschen, Gerüchen, Spaziergängen draussen abschottet. Sie brauchen auch eine Meute, in der sie lernen können, sich hündisch zu benehmen. Im besten Fall würden Sie in solchen Geschäften einen Welpen erwerben, der "nur" seelisch krank ist und sich nie normal verhalten wird. Was die Preise dort betrifft… sie sind nicht niedriger als beim guten, verantwortungsbewusstem Züchter und der Deutsche Teckelklub hat aus gutem Grund seinen Züchtern verboten, Welpen an solche Geschäfte zu verkaufen.


Nun habe ich eine Frage an Sie:
Denken Sie immer noch ein Dackel sei bei einem guten Züchter zu teuer?