Der Blick mit schrägem Kopf


Sie reden mit ihm und da legt der kleine den Kopf schräg und schaut uns so an, er scheint konzentriert zuzuhören und Sie schmelzen augenblicklich dahin (Bild links: Babylon Blonde von den Argoatjägern). Auch weniger hundeaffine Menschen fallen auf diesen Ausdruck rein und gepaart mit dem Dackelblick ist es schwer, immun dagegen zu sein. Weshalb zeigen Hunde dieses Verhalten? 

Mit Sicherheit lässt es sich nicht sagen, es gibt jedoch 3 mögliche Hypothesen:

Die Morphologie bedingt es: ein nüchterner Grund wäre, dass er Sie so einfach besser sehen kann, die Schnauze ist ja nicht gerade kurz und manchmal beim schauen im Weg. Da wäre die Frage, ob das Flachnasen wie französische Bulldoggen auch tun, die haben ja nicht diese Längenproblematik… Die Antwort ist… Klar! Möpse sind da auch wahre Meister in der Schräglage. Für mich jedenfalls keine plausible Erklärung.

Es könnte auch sein, dass sie dadurch besser lauschen können, was uns erst mal irritiert, denn wir wissen ja, dass deren Gehör deutlich besser ausgeprägt ist als unseres. Was sie allerdings nicht so gut können wie wir, ist die Quelle des Geräusches orten, die Kopflage soll dabei behilflich sein. Sie können das auch beobachten, wenn der Hund etwas undefinierbares weiter weg gehört hat, was er nicht einsortieren kann, dann neigt er den Kopf, auch wenn er dabei ins Leere oder z.B. auf eine Wand schaut.

Die schönste Begründung ist, dass Ihr kleiner Freund Ihnen dadurch Empathie zeigt, er hört Ihnen zu und scheint interessiert zu sein. Trugschluss? Wer einen Hund hat, mit dem er geübt kommuniziert, weiss, dass Hunde einen grösseren Teil unserer Sprache verstehen, als viele vermuten. Ausserdem sind sie äusserst mitfühlend: wenn man krank ist, merken sie es sofort und versuchen, zu helfen, indem sie sich vorsichtig ankuscheln, oder uns nur “bewachen". Der Hund lauscht und wenn bestimmte Codewörter fallen, auch mal Mitten im Satz, reagiert er entsprechend (“Bleibst du hier oder möchtest du mit mir spazieren gehen?”). Wer glaubt, er vertehe nur Codewörter, sollte sich Lottchen vor Augen führen: “ Lottchen, kleine Katzenkontrolle” und Lottchen zischte wie der Wind in 2 Minuten durch den Garten. “Lottchen, grosse Katzenkontrolle” und schon war sie eine Viertelstunde unterwegs. Mit offenem Mund blieb ich stehen, als sie auf den Satz “Lottchen, ich glaube, dass Mama unten was für dich hat” (null Codewort, kein Zeichen, nichts) wie ein geölter Blitz los ist und zwar direkt zu meiner Mutter. “ Lottchen, wir machen ein schönes Fotos in bayerischer Tracht” (hierneben). Keine Frage, er hört mir genau zu. Da unsere süssen Begleiter auch schnell lernen, wie begeistert wird sind, wenn sie uns anschauen wie Folie Douce von den Argoatjägern (“Apfelsine", hierüber), neigen sie noch deutlicher den Kopf zur Seite, um uns noch mehr Entzücken zu entlocken, denn unsere Begeisterung ist für Hunde viel wichtiger als jede Futterbelohnung, dass merkt jeder, der ohne Leckerli, dafür mit Begeisterungstürmen als Belohnung trainiert.