Die Fehlerquellen der Hundeerziehung

Der Dackel gehorcht nicht, na klar, ist doch normal, ist schliesslich ein Dackel, die sind bekanntlich stur und gehorchen nie. 

Sicher

Ganz sicher? 

Wer uns besucht, erlebt es anders und meistens schauen die Menschen leicht entgeistert, wenn das Kommando “Zimmer!” kommt und die gesamte Meute in das Zimmer geht, damit hinter der Bande die Tür geschlossen werden kann, oder wenn bei “ rein!” die Hunde aus dem Garten in das Haus stürmen. 

Wenn der Dackel nicht hört, wurden Fehler in der Erziehung gemacht, der Gehorsam bzw. das gute und schlechte Benehmen hängen letztendlich zum Grossteil mit der Arbeit zusammen, die Sie im Fach Hundeerziehung geleistet haben. Dabei finden sich meist immer die gleichen Fehler. Denen möchten wir hier mal auf den Pelz rücken.  

Vermenschlichung führt zu Verständigungsproblemen, denn der Dackel möchte kein Kind sein

Ihr Dackel ist ein Mitglied Ihrer Familie aber er ist vor allem ein Hund und er sollte es bleiben dürfen. Hunde verstehen es nicht, wenn sie wie Kinder behandelt werden. Ein klassischer Fall ist, wenn der Hund verunsichert ist und sein Mensch reagiert, als wäre er ein Kind, indem er versucht, ihn auf Menschenart zu beruhigen. 

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Beispiel: der Dackel sitzt zum erstem Mal auf dem Trimmtisch und ist sichtlich nervös, er riecht die fremden Hundegerüche und weiss nicht, was gleich passiert, könnte ja ein Tierarzt mit der Spritze kommen. Die Nervosität sieht man ihm an, sein Mensch reagiert, als wäre er ein Kind und tätschelt ihn, streichelt ihn, oft hört man dann noch “ ist ja gut, passiert doch nichts schlimmes”. Stimmt ja, dumm nur, dass der Hund durch das Streicheln und Tätscheln genau das Gegenteil versteht und zwar “ Ja, du hast Recht, es ist ganz schlimm, du solltest Angst haben”. Seine leichte normale Nervosität wird zur richtigen Furcht, weil der Halter durch sein falsches Verhalten ihn im seinem schlechtem Anfangsgefühl bestätigt und es verstärkt. Richtig wäre, ruhig zu bleiben und ihn z.B. ablegen oder sitzen zu lassen und ihm zeigen, dass sein Fiepen unerwünscht ist. In dem Moment, wo er ruhig ist, wird er gestreichelt und gelobt, so versteht er, dass Ruhe das richtige Verhalten ist. 

Genauso sollte ein Halter zackig eingreifen, wenn der Hund knurrt! Nicht herumflöten “sei brav, lieb sein la la laaaaaaa!!!” und dann auch noch tätscheln. Damit wird dem Hund nur mitgeteilt “machst du super, weiter so, beiss die blöde Tussi! (oder den Hund)”. Richtig schimpfen (der Ton macht die Musik) und anstossen mit spitzen Fingern (nicht mit der Hand schlagen! Finger zusammenführen und mit den Spitzen den Hund antippen) - möglichst in die Rippen oder an der Schnauze zeigt dem Dackel, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist. Dabei ist das anstossen keineswegs als “oh mein Gott, das ist ja brutal!” zu verstehen, es ist ein sehr milder Ersatz für das, was ein anderer Hund tun würde, um ein Fehlverhalten zu bestrafen. 

Ein anderer Punkt der Dackelhalter verstärkt betrifft: Tragen Sie Ihren Dackel nicht durch die Gegend wenn es dafür keinen trifftigen Grund gibt, wie eine Verletzung oder das Ueberwinden von Treppen. Dieser Tragereflex ist sehr menschlich, allerdings mögen das Hunde meistens nicht und oft sieht man auf Bildern Dackel, die sichtlich unzufrieden im Arm von breit grinsenden Menschen sind, verständlichweise da sie lieber festen Boden unter den Pfoten haben. Es lässt sich sehr gut einschätzen, ob der Dackel gerade gerne herumgetragen wird, oder er es reichlich unangenehm findet, man muss nur richtig hinschauen und fühlen. Wenn er steif wirkt, den Kopf abwendet, möchte er lieber nach unten. Zufriedene getragene Dackel lassen sich so richtig hängen und kuscheln.

Grobheit zerstört die Freundschaft

Leider sieht man immer wieder Menschen, die ziemlich grob mit ihren Hunden umgehen, auch auf dem Hundeplatz. Manchmal können die kleinen Dackel einen auch zur Verzweiflung bringen, aber suchen Sie lieber mal den Fehler bei dem Zweibeiner, als beim Hund. Wenn er nicht das erwartete tut, machen Sie was falsch, da sind Gewalt und Grobheit keine Lösung, es sei denn, Sie schlagen sich selbst, weil SIE nicht verstanden haben, wie Sie ihm was vermitteln sollten. Unsere Dackel lernen richtiges Verhalten am besten, wenn sie positive Erfahrungen machen. Wer grob oder schlimmer ist, bekommt kein positives Lernergebnis, sondern zerstört das Band zu seinem Hund. Im schlimmstem Fall kann der Hund Verhaltensstörungen entwickeln. 

Dabei sollte allerdings nicht das korrekte Verhalten eines starken, selbstbewussten Hundeführers als grob eingestuft werden, Hundeführer sind Meutenleiter und dürfen nicht weichgespült sein, sonst wird es nicht funktionieren, denn Hunde halten sich an starke Persönlichkeiten, durch die sie Schutz und Leitung erfahren. Gute Hundeführer sind wie Leithunde, sie schaffen es, sich durchzusetzen, ohne grob zu sein, selbst wenn es manchmal sehr hart aussehen kann, denn sie haben das Sagen (Bild: Standard Nanny Eve bestraft einen sehr frechen 2 Monate jungen Zwergwelpen).

Inkonsequenz führt zurück an den Anfang

Wenn Sie eine Regel aufstellen, muss diese eingehalten werden, sonst versteht der Dackel nichts mehr und das führt schnell zu Problemen. 

Beispiel 1: Der Dackel darf im schönem Garten nicht buddeln, bekommt aber dafür eine Ecke für sich, in der er buddeln darf. Ist ja nett gemeint, aber wie soll er verstehen, dass er hier darf und dort nicht? Entweder er darf überall oder gar nicht, Punkt.

Beispiel 2: Grundsätzlich bekommt der Dackel nie etwas vom Tisch und daran muss sich jeder in der Familie halten. Sie bekommen Familienbesuch und der wirft einfach immer mal wieder etwas runter für den Hund. Falls Sie dem nicht rechtzeitig einen Riegel vorschieben ist das Ergebnis wie folgt: aus dem Dackel, der immer ruhig auf seiner Decke gelegen hat, während die Familie in Ruhe essen konnte, wird ein fiependes bettelndes Etwas, das mächtig unterm Tisch nervt. Wenn der Dackel bettelt, sollten Sie nie darauf reagieren, er darf keinen Erfolg damit haben, sonst wird er es immer wieder versuchen, wobei clevere Dackel so schlau sind, das dann nur bei Besuchern auszutesten...

Sie waren von Anfang an konsequent und das hat Früchte getragen. Nun machen Sie bloss nicht den Fehler und werden nachlässig, sonst wird er sehr schnell auf vergesslich machen und Sie können von vorne anfangen. 

Widersprüche und falsche Tonlagen

Hunde verstehen keine Worte, sie kombinieren Ihre Gestik und Mimik mit dem Kommando, dabei machen die Geste und der Ton die Musik. 

Hunde sind bei der Gestik sehr empfindlich, so sehr dass laut Studien 80% eines verstandenen Kommandos auf die Geste zurückzuführen sind. Wenn die Handposition beim Kommando “Sitz” jedesmal unterschiedlich ist, also Finger 90 Grad nach oben, danach mal 45 Grad, dann waagerecht usw., wertet der Hund das als unterschiedliche Kommandos und wird nicht gehorchen. Man glaubt nicht, wie schwer das den Menschen zu vermitteln ist, Hunde verstehen es viel schneller... Genauso wird es sein, wenn Sie “ Platz!" sagen, aber die Geste machen, die für “Sitz!" steht. Clevere Hunde schauen einen dann an und denken, dass ihr Mensch nicht weiss, was er will, also setzen sie lieber eine Runde aus, bis der Mensch sich entschieden hat.

Immer wieder auf Trainingsplätzen zu beobachten, sind Halter, die ganz leise und schüchtern “Auuuussss” flöten, als ob sie sich entschuldigen würden. 

Der Hund soll darauf reagieren? 

Tut er, er lacht sich schlapp. 

Nein, im Ernst, ein lautes, bestimmtes “Aus!”  bringt ein Ergebnis. Genauso sollte das "Pfui!!!" laut, deutlich und im Kommandoton kommen, dann lässt der Hund es sein, beziehungsweise spuckt er aus, was er gerade in der Schnauze hat und das kann unter Umständen lebensrettend sein (Bild: das hat auch die kleine Eden - 2 Monate verstanden und hat die Rose gelassen). 

Sie wollen Erfolg bei den Kommandos haben? 

Zeigen Sie, dass Sie ein Chef sind und keine Memme, der Hund spürt nämlich genau den Unterschied und weiss, wen er herablassend behandeln und ignorieren kann. Wenn er das Gefühl hat, dass Sie in der Hackordnung unter ihm sind, nimmt er Sie nicht für voll, denn laut Rudelregeln müssen Sie ihm folgen und nicht umgekehrt. Zeigen Sie, dass Sie ein Chef sind. Bauen Sie sich auf, Schultern nach hinten, Brust raus, tief einatmen und machen Sie Ihrem Dackel vor, dass Sie das sagen haben und sich nicht dafür entschuldigen, ihm was beibringen zu wollen und zu bestimmen.

Eine lustiges Geschichte ist mir in meinem Dorf wiederfahren. Ein junger Mann kommt mit seinem Mops die Strasse entlang. Wir unterhalten uns und dabei beschwert er sich, dass der Mops überhaupt nicht gehorchen würde. Er zeigt mir den französischen “ Sitz!" Befehl (Assis) und tatsächlich hat sich der Mops nur köstlich über den geflöteten Befehl amüsiert. Daraufhin wiederholte ich ASSIS! samt korrekter Handbewegung und Ton, der Mops sass wie eine Eins. Als Nachschlag nochmals Couché! (Platz) probiert, der Mops lag sofort wie ein Profi. Das schönste? Das völlig ungläubige Gesicht des jungen Mannes, mit offenem Mund. Ob er wohl verstanden hat, dass sein Hund sehr schlau ist und ihn wirklich nicht für voll nimmt?

Für dumm halten sollten Sie den Dackel übrigens nicht, wer möglichst freundlich “hier!” ruft und dabei vor Wut zittert, weil der Racker wieder mal die Kissen zerlegt hat, wird schnell merken, dass der kleine nicht so schnell kommen wird. Er weiss Sie deutlich besser zu lesen, als Sie ihn...

Falsches Timing, auch beim Hundetraining ein Stolperstein

Ob er etwas falsch oder richtig gemacht hat, versteht der Dackel nur, wenn Lob oder Tadel auf die Zehntelsekunde passend erfolgen. Hunde kennen keine Vergangenheit in der Aktion und auch keine Zukunft, sie leben im hier und jetzt. Hat er also etwas sehr gut gemacht, müssen Sie sofort loben, eine halbe Sekunde zu spät, kann er es nicht mehr verknüpfen. Diesen Fehler sieht man häufig beim Klickertraining, wenn die Menschen zeitversetzt klickern und der Hund nichts bzw. das falsche lernt. 

Beispiel: Ich habe mich einmal bei der kleinen Ava und dem Sitz! Training im Timing vertan. Ich habe gelobt in dem Moment, in dem sie hochsprang - zu früh -  und sich anschliessend gesetzt hat. Dumm gelaufen, denn seitdem hüpft sie grundsätzlich vorne hoch, bevor sie sich setzt, das habe ich nicht mehr ändern können und es sorgt für ziemliche Lacher.

Beispiel: Es ist besser, mit Ton und grossem Theater zu loben (Feiiiiiiiiin), als mit Leckerli, denn wenn das zu spät kommt (was meist der Fall ist), kann folgendes passieren. Er hat sich auf Kommando hingelegt und der Mensch schiebt das Leckerli erst 2 Sekunden später zu, wenn er schon freudig darauf wartet und winselt. Der Hund versteht, dass er ein Leckerli bekommt, wenn er freudig wedelnd und winselnd vor einem steht. Versuchen Sie das mal wieder raus zu bekommen… Hunde haben ein perfektes Timing und reagieren sofort, das muss die kleine Eva (rechts) auch feststellen.

Kommandos müssen auf dem Punkt kommen, soll der Hund bei der BHPS beim freiem laufen nach 50 Metern umdrehen und zu Ihnen zurück kommen, sollten Sie ihn auch die Strecke laufen lassen und den Moment abpassen, an dem er das Kommando erwartet. Rufen Sie zu früh, wird er es sehr wahrscheinlich ignorieren, schliesslich weiss er, dass er noch einige Meter laufen muss. Warten Sie den Punkt ab, an dem Sie feststellen, dass er den Kopf oben hat, nicht schnüffelt und hörbereit ist, das kann man sehen.  Genauso beim hinlegen auf Distanz, lassen Sie ihm Zeit, näher zu kommen und rufen oder pfeifen Sie erst, wenn er auf ca. 25 Metern ist. Haben Sie das korrekt trainiert, lässt er sich fallen, wie ein Stein.

Loben Sie richtig! Fangen Sie schon gar nicht mit Leckerlis an, denn sobald der Hund mitbekommt, dass sie keins mehr dabei haben (und das merkt er deutlich schneller als Sie), können Sie den Gehorsam vergessen, er wird nicht für lau arbeiten. Machen Sie sich lieber zum Affen und loben Sie mit der Stimme, machen Sie richtig grosses Theater, er wird es lieben und es ist viel effektiver, denn er wird alles dafür tun, dass Sie sich über ihn so freuen.

Kommandos für hörende Hunde

Bei manchen Haltern fragt man sich, ob der Hund vielleicht taub ist, man hört “Platz, Platttttzzzzz, Plattzzzzzzzzzzzz, PLATZ!!!” . Wetten, dass er es schon beim erstem Mal gehört hat, aber nicht verstanden? 

Die Gründe können die immer unterschiedliche Gestik sein und mangelndes/fehlerhaftes Training. Der Hund stellt verständlicherweise irgendwann auf Durchzug und andere Menschen auf dem Trainingsgelände sind durch die Geräuschskulisse leicht genervt. Durch die dauernden Wiederholungen werden ausserdem falsche Verhaltensweisen antrainiert.

Beispiel: Es wird Platz! und Bleib! trainiert. Der Halter entfernt sich und sagt dabei alle paar Sekunden Bleib! Soetwas is häufig beim BHP Training zu sehen. Sobald Bleib! nicht mehr wiederholt wird, steht der Dackel freudig auf und läuft wedelnd zu seinem Menschen. Er hat gelernt zu bleiben, solange das Wort wie ein Mantra zu hören ist, sagt der Halter nichts mehr, meint der Hund, es wäre vorbei, er können aufstehen. Bei der erschwerten BHPS-G Prüfung habe ich schon vielfach Halter gesehen, die bei dem leinenlosem bei Fuss gehen durch eine Menschenmenge mit Hunden dauernd geschnalzt, gerufen oder auf die Schenkel geklopft haben, wie soll man das bewerten? Man stelle sich die unterwegs vor, dauernd am rufen.

Beispiel: Hier!!!! Hierrrrr!!!!!!! HIER!!!! Er kennt das Kommando und kommt trotzdem nicht? Vielleicht hängt es daran, dass er - und der Rest der Welt - dank der Brüllerei genau weiss, wo Sie sich befinden und dass Sie auf ihn warten, wieso sollte er sich also in Ihre Richtung bewegen, vor allem wenn der Ton immer unfreundlicher wird.

Seien Sie geduldig

Machen Sie nie Fehler? Also lassen Sie auch zu, dass der Dackel welche machen darf. Sie sollten ihn nicht überfordern, so manche Uebung teilt man besser in Teilstücke auf oder vereinfacht sie anfangs. Bleiben Sie ruhig und gelassen, wenn etwas nicht klappt, wiederholen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt. Beenden Sie jedoch immer die Trainingssession mit einem Befehl, der auf Anhieb klappt, also einem positivem Erlebnis, und loben Sie ihn sehr dafür, auch wenn es nur Sitz! ist.

Mit so manchen Welpen müssen die Erziehungsberechtigten auch sehr geduldig sein. Die kleine freche Göre Eva hat das Argoatjäger Nanny-Team schier wahnsinnig gemacht.

Manchmal bringen sie uns zum verzweifeln...

Ja, auch mir geht es so. Zwei Champions in der erschwerten Begleithundeprüfung Gesamt (BHPS-G), auf dem Platz die grossen Profis und zuhause sage ich Sitz!, der eine liegt, die andere sieht es nicht ein, wenn ich nicht einen scharfen Ton ansetze.

So mancher Dackel meint, er müsse nur auf dem Platz hören, wenn er zuhause bei seinen Kumpels ist, guckt er frech und das war’s. Da hilft nur noch konsequent zuhause trainieren, wenn die anderen dabei sind. 

Ein Grund kann auch sein, dass Sie auf dem Platz mit Hilfsmitteln arbeiten, heisst Leckerlis und Spielzeug. Haben Sie die zuhause nicht parat, ignoriert der Hund das Kommando, weshalb ich auch eher dazu abrate, soetwas zu benutzen.