Erziehung - Was der Teckel wissen muss (und Sie auch)

Gismo

Teckel und Erziehung, dabei denken viele Menschen sofort an eine Unmöglichkeit. „Der hört wie ein Dackel“ ist ein bekanntes Sprichwort. Dies mag damit zu tun haben, dass der Teckel schliesslich für die Jagd gezüchtet wurde und noch wird, wobei er bei der Arbeit fernab seines Herrchens oder im Bau, seine eigenen Entscheidungen treffen muss. Die kleveren Kerlchen versuchen demnach vorzugsweise, den eigenen (Dick-)Kopf zuhause durchzusetzen. Sie verstehen es gekonnt charmant, den Menschen um die Pfote zu wickeln und – soweit er es zulässt – zu entmachten. 

Falls Sie darauf reinfallen, haben Sie ganz schnell einen Vierbeiner, der entscheidet, wann er Sie spazieren führt (und auch wohin es geht), wann Sie schlafen gehen und wann Sie ihn füttern (gerne auch von Ihrem Teller). Beim schmusen verhält er sich dann nicht anders, springt auf’s Sofa, dann auf Sie und macht es sich in Ihrem Arm gemütlich. Gezielte Pfotentritte und Schnauzenschubser fordern Sie auf, zu kraulen und wehe Sie hören auf... ein strafender Blick und der nächste Tritt kommen sofort. Spielaufforderung kommt in der Reihenfolge: erst einmal stumm anstarren.  Bringt das nichts, wird der kleine laut und dem Bellen ist der Kommandoton klar zu entnehmen. Stellen Sie sich stur, kann es schonmal sein, dass der Hund Sie am Hosenbein oder Rockzipfel packt und versucht, Sie vom Sofa zu zerren. Die letzte Stufe ist, wenn der Vierbeiner die Hundeschnauze voll hat und selbst auf’s Sofa springt, um Ihnen mal herzhaft eine Zehe anknabbert… 

Einen Teckel als Familienmitglied zu haben, bedeutet auch, ihn zu erziehen. Falls Sie diesen Teil gerne auslassen, weil Sie schon bei den Kindern nach dem Laisser-Faire Prinzip (französisch für "Mach du nur, was du willst") alles zugelassen haben, sollten Sie wissen, was da auf Sie zukommt. Nach über über 30 Jahren Erfahrung mit Familienteckeln, habe ich eigentlich nur 2 Möglichkeiten der Erziehung dieser niedlichen, von meist starkem und eigenwilligem Charakter geprägten Gesellen, finden können: 

a) Entweder Sie entscheiden sich für die Chef-Rolle und zeigen es dem kleinen Fellbündel von Anfang an freundlich aber sehr bestimmt, dann dürfte es ganz gut klappen und Ihr Teckel wird ein herrlicher, lieber Begleiter, der sich von Ihnen verstanden und beschützt fühlt,

oder b) Sie lassen ihm alles durchgehen, er übernimmt die Führung und sehr schnell haben Sie einen unberechenbaren kleinen Hund an der Leine, der gerne alles selbst entscheidet und eventuell zum Beisser wird (weil er sehr unsicher ist oder meint, sein schwaches Leinenende beschützen zu müssen).

Der erste Schritt ist, dass der Hund eine positive Prägung bekommen hat und nicht zu früh vom Züchter abgegeben wurde. Ich werde anderweitig nochmals darauf zurückkommen (Prägungsphasen), jedoch sollten Sie sich im klaren sein, dass seriöse Züchter die Welpen nicht mit 8 Wochen abgeben. 12 Wochen alt sollten die Vierbeiner beim Einzug schon sein, die Zeit benötigen Welpen, um "gute Manieren" zu lernen, anders ausgedrückt, um von ihrer Mutter und den anderen Hunden zu lernen, wie sie sich mit Menschen und vor allem mit Hunden benehmen müssen. 

Gute Züchter werden Sie auf die Teckelklubs, denen Sie angehören, ansprechen und Ihnen empfehlen, zu den Treffen zu gehen. Tun Sie es, Sie und Ihr neuer Begleiter können nur davon profitieren. Welpengruppen und Spiele mit ähnlich grossen Hunden sind sehr wichtig für die Entwicklung des Welpen, diese Möglichkeiten erhalten Sie in den Klubs. Hat Ihr Welpe keinen Kontakt mit anderen Hunden und kann nicht frei mit denen spielen (was wegen der Verletzungsgefahr schwieriger ist bei Grössenunterschieden, deshalb raten Profis eher davon ab in Hundeklubs zu gehen, bei denen die Welpengruppen grosse und kleine Rassen mischen), werden Sie später einen ängstlichen Hund haben. Auch wenn seine 12 Wochen bei uns ihm guten Karten in Kontaktsachen geben, er muss noch mit fremden Hunden üben. Streichen Sie dabei bitte sofort den Ausdruck "der hat Welpenschutz" von Ihrem Sprachschatz, letzteren gibt es nämlich nicht, wenn die Fremdhunde schlecht sozialisiert sind, und mangels Erfahrungen in der Prägezeit andere Hunde nicht verstehen.

Es ist demnach sehr wichtig, dass Sie Ihrem neuen haarigen Mitbewohner klar, deutlich aber immer freundlich zeigen, wer das sagen hat und dass er nicht Chef im Hause ist. Es geht nicht nur darum, sich keine Nervensäge zu (v-)erziehen, sondern auch einen glücklichen, entspannten Teckel zu beherrbergen. Nur ein Teckel, der weiss, wo sein Platz in der Familie ist, der sein Oberhaupt als Führungspersönlichkeit warnimmt, wird sich sicher und geschützt fühlen und entsprechend freundlich und umgänglich sein. Wenn hingegen der Teckel meint, er sei der Chef im Haus, der unbedingt seine Schutzbefohlenen von allen Gefahren bewahren soll, haben Sie sich ganz schnell einen Wadenbeisser erzogen, der im besten Fall alles anschnauzt, was sich bewegt und der Blitzangriffe aus dem Körbchen startet. 

Da sich keiner so einen Teckel wünscht, liegt es an Ihnen, den Hund zu erziehen, damit er liebevoll aber doch konsequent gezeigt bekommt, was er darf und nicht. Dabei werden Ihnen die örtlichen Gruppen vom Deutschen Teckelklub gerne unter die Arme greifen. Dort finden Sie Menschen mit ähnlichen Interessen, Spielkameraden für Ihren felligen Partner und können die BHP Kurse vorbereiten und ablegen (Begleithundeprüfung 1 bis 3). Wichtig ist es, dass Ihr Hund von Anfang an weiss, wer das sagen hat. Dafür werden Sie keinesfalls den Hund körperlich massregeln, es reicht, ihm mit klarer Stimme deutlich Ihre Verärgerung zeigen und von vornherein Regeln aufstellen, die Bello einen sicheren Handlungsrahmen geben. Alle Familienmitglieder müssen involviert sein und mit einer Stimme sprechen, sonst weiss der kleine nicht, wo er dran ist und die Menschen arbeiten gegeneinander. Es mag anfangs etwas mühsam sein, vor allem bei einem ach so niedlichen Welpen, jedoch wird Ihnen das lange Zusammenleben viel Freude bereiten, wenn der Hund weiss, was er darf und was nicht. 

Merke

Hunde brauchen Routine und Regeln, um sich wohlzufühlen. Eine Aenderung der Routine bringt den Hund leicht aus dem Konzept. Neue Arbeitszeiten seines Herrchens oder Urlaub an einem Fremden Ort bedeuten eine Umstellung, für die er Zeit benötigt.